Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Willkürliche und unwillkürliche Vorstellungsverbindung
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38787/124/
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der Rinde associative Ergänzungen und Hemmungen in un¬ 
endlicher Mannigfaltigkeit sich gleichzeitig abspielen, und 
längst der neue Prozess von dem früheren physiologisch aus¬ 
gelöst wird, ehe das Resultat des ersteren bewusst apper- 
cipiert wird. 
Die psychophysischen Akte schieben sich ineinander und 
decken sich zeitlich, wie es nicht anders denkbar ist, wenn 
man im geistigen Leben ein unendliches Gefüge associativer 
Erregungen sieht, während das unmöglich ist, wenn man in 
ihm glaubt die Leistungen einer einzigen Apperception er¬ 
blicken zu müssen. Wo bliebe der Reichtum unseres seelischen 
Lebens, wo bliebe die Versabilität in unserem Reden und 
Schreiben, Bewegen und Schaffen, wenn wirklich der Reiz, 
auf den mit urteilsgemässer Thätigkeit reagiert wird, stets 
vorher ins Bewusstsein dringen muss; wir können die Antwort 
innervieren, noch ehe wir die Frage uns psychisch ganz an¬ 
geeignet, wir können einen Gedanken aussprechen, noch ehe 
er in unser Bewusstsein gedrungen, wir können die Erregungen 
unseres Inneren niederschreiben, ohne sie früher als das Schrift¬ 
bild wahrzunehmen, wir können immer neue Vorstellungen, 
immer neue Urteile, immer neue Gedanken erzeugen, ohne 
jedesmal abzuwarten, dass die Vorgänger sich dem Bewusstsein 
gemeldet haben. Auf hunderttausend zuführenden Wegen bringt 
jeder Moment uns Reize zum Centrälapparat, auf Millionen 
Leitungsbahnen lösen sie Erregungen aus, ergänzen sich, 
hemmen sich, schaffen und wirken und lassen auf ungezählten 
Wegen ihre Bewegungsimpulse zu den Muskeln gehen, um 
in den Spannungen unserer Sinnesorgane, in den Leistungen 
unseres Sprachapparates, in den Arbeiten unserer Glieder 
unbegrenzte Wirkung auf die Aussenwelt und rückwirkend 
auf uns selber auszuüben. Müsste unser Bewusstsein dem 
allem zuschauen, so würden in der unendlichen Fülle die festen 
Anhaltepunkte ihm fehlen, während in Wahrheit es nur jene 
Hauptvorgänge Zusehen bekommt; müsste unser Bewusst- 
seinaber gar, wie die Apperceptionstheorie es fordert,
        

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