Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Willkürliche und unwillkürliche Vorstellungsverbindung
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38787/112/
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Auswahl eintritt, durch welche die unpassenden Associationen 
verworfen werden, die passende behalten wird ; der erste Vor¬ 
gang wäre also nur ein Bruchteil des zweiten gewesen und 
dennoch dauert er länger als dieser. Die Associationstheorie 
befindet sich auch mit dieser Thatsache in bester Ueberein- 
stimmung. 
Zunächst müssen wir uns dabei das früher erlangte Er¬ 
gebnis vergegenwärtigen, dass nämlich bei allen solchen 
Versuchen von einem blossen Associationsvorgang, der irgend¬ 
wie im Gegensatz steht zu einer Urteilsbildung, gar nicht die 
Rede sein kann; das, was in den üblichen Versuchen freie 
Association genannt wurde, ist nichtsdestoweniger ein richtiges 
vollständiges Urteil. Wenn der Experimentierende ein Wort 
zuruft und der Reagierende daraufhin ein associiertes Wort 
hervorstösst bei gleichzeitigem Druck auf den elektrischen 
Stromschlüssel, so ist jenes associierte Wort so zu verstehen, 
dass es die Antwortsreaktion auf einen ganzen Satz ist, dessen 
übrige Glieder nur schon durch die vorherige Verabredung 
festgestellt sind. Der Satz lautet: nennen Sie möglichst schnell 
ein Wort, das in Beziehung steht zu dem Wort X; kein 
Zweifel, dass die Antwort ein wirkliches Urteil ist, dessen 
Aussage wieder einen Satz enthält, nämlich: das Wort Y 
steht in Beziehung zu X. 
Nun haben wir inzwischen uns auch den psychophysischen 
Vorgang der Urteilsbildung verdeutlicht. Wir sahen, jedes 
Urteil beruht auf dem Identitätsverhä-ltnis und besagt, dass 
derjenige psychische Inhalt, der durch die Beziehung zu der 
und der Association bezeichnet wird, derselbe ist, welcher 
durch die und die Association bezeichnet werden kann. Bei 
jener freien Association bestand die Urteilsbildung also in der 
Aussage: der psychische Inhalt, der dadurch bezeichnet wird, 
dass er mit dem Wort X in Beziehung steht, wird gleichzeitig 
auch durch das Wort Y bezeichnet. Es gilt also in erster 
Linie, den in der Frage bezeichneten Inhalt auch für die 
Antwort festzuhalten und ausserdem diesem selben Inhalt neue
        

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