Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Willkürliche und unwillkürliche Vorstellungsverbindung
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38787/106/
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sehen Associationswirkung des Reizes. Bei der anderen Ver¬ 
suchsanordnung war das nicht möglich; da trat die Verbindung 
zwischen Frosch und Tier ja erst dann ein, nachdem die Vor¬ 
stellung Frosch appercipiert und somit in allen seinen Merk¬ 
malen klar erfasst war; ja die Vorstellung Tier wurde erst 
an die appercipierte Vorstellung Frosch herangetragen, als 
auch schon die weitere Vorstellung entstanden war, dass für 
den Frosch eine Subsumtion vollzogen werden soll. Eine 
falsche Verbindung, also eine Verbindung, deren Elemente 
sich wechselseitig hemmen, wäre hier aus psychophysischen 
Gründen unmöglich, da eben die Verbindung erst eintritt, 
nachdem schon alle Elemente deutlich hervorgetreten sind. 
Bei der zweiten Versuchsanordnung dagegen sehen wir die 
Vorstellungsgruppe Tier schon jene die Bewegungsreaktion 
auslösende Verstärkung gewinnen, sobald nur eines ihrer 
Elemente durch den Reiz erregt wird. Wie leicht kann nun 
der Reiz auf irgend ein Element eines Begriffes verstärkend 
einwirken, dessen sonstige Elemente mit dem Reiz unvereinbar 
sind, so dass auf Grund irgend einer losen Beziehung eine 
falsche Subsumtion eintritt, eine Subsumtion, deren Irrtüm¬ 
lichkeit im nächsten Moment, sobald die weiteren Associationen 
sich herandrängen, evident ist, die aber doch hinreichte, um, 
noch ehe die Vorstellung appercipiert ist, den physiologischen 
Reaktionsmechanismus falsch spielen zu lassen. Nicht nur 
die Unrichtigkeit der Subsumtion tritt uns in diesen Fällen, 
sofort nachdem wir falsch reagiert haben, ins Bewusstsein — 
weil, während die Reaktion ablief, sich nachträglich die zur 
Apperception notwendigen associativen Erregungen im Gehirn 
eingestellt —, sondern auch das vermittelnde Glied, das den 
Irrtum produziert, gewinnt meist nachträglich die zum Be¬ 
wusstwerden hinreichende Stärke. Die Apperceptionstheorie 
könnte die falschen Subsumtionsreaktionen nie erklären, für 
die Associationstheorie sind sie selbstverständliche Konsequenzen. 
Weit auffälliger war ein zweites, das nunmehr kaum der 
Erklärung bedarf, die durchgängig längere Dauer der Reaktion,
        

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