Bauhaus-Universität Weimar

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keit oder die Periodizität des Zeitseins musste besonderes 
Interesse in Anspruch nehmen, ebenso wie Umfang des Be¬ 
wusstseins und Einheit der Apperception. Im Gebiet der 
sinnlichen Wahrnehmung aber musste sich alles um die Frage 
konzentrieren, wie kommt das Vergleichen, das Beurteilen 
der Empfindungen zustande? Mir schwebte wohl ein Weg 
vor, dieses Vergleichen von der Thätigkeit des wahrneh¬ 
menden Subjekts unabhängig zu deuten, aber nur wo es sich 
um einfache Empfindungen handelt, die intensiv verschieden 
sind; die ebenfalls vergleichbaren Wahrnehmungen von Zeit¬ 
strecken, Raumgrössen, Tondistanzen wollten sich dem nicht 
fügen. Da begann ich denn zu prüfen, ob nicht auch diese 
Vorstellungen auf einfache Intensitätsabstufungen zurückzu¬ 
führen sind; so entstanden die Untersuchungen über Ton¬ 
schätzungen, Augenmass, Raumsinn des Ohres, und Zeitsinn, 
um schliesslich in Untersuchungen über die Grundlagen des 
psychophysischen Gesetzes der Theorie für das ganze Gebiet 
der Sinneswahrnehmung ganz neue Anhaltspunkte zu geben. 
Dass die eine Versuchsreihe der theoretischen Grundfrage 
näher steht als die andere, ist selbstverständlich, und ebenso 
selbstverständlich, dass die Versuche oft mehr besagten, als 
die ursprüngliche Fragestellung erheischte, ja dass oft die 
Versuche, noch häufiger vielleicht die Erörterungen, weit über 
die ursprüngliche Aufgabe hinausführten. Die theoretischen 
Erwägungen, die ich geschildert, waren eben mehr der ge¬ 
meinsame Ausgangspunkt, als der Zielpunkt der Untersuchungen ; 
gerade deshalb hoffe ich, dass auch diejenigen, welche jenen 
Erwägungen von vornherein ablehnend gegenüberstehen, mit 
den theoretischen Betrachtungen nicht auch gleich die ex¬ 
perimentellen Ergebnisse für gerichtet erklären, sowenig wie 
ich aus der Bestätigung, welche die Versuche meinen Er¬ 
wägungen brachten, schon einen endgültigen Beweis für die 
Richtigkeit derselben entnehme.
        

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