Bauhaus-Universität Weimar

37 
die Frage, ob solche Deutung berechtigt, vielleicht gar not¬ 
wendig sei, unmöglich beantwortet werden kann. Das Ex¬ 
periment ist das unabweisliche Hilfsmittel in solchem Di¬ 
lemma. Zwar liegen ja Experimente für alle jene Erscheinungen 
der Apperception in Menge vor, aber keines derselben war 
angestellt, um speziell die Frage zu prüfen, welche Richtung 
die theoretische Deutung einzuschlagen habe, und stets ist es 
bedenklich, die Resultate von Experimenten zur Beantwortung 
solcher Fragen zu benutzen, die der Experimentierende gar 
nicht beachtet hat. Wollte ich die psychophysische Theorie 
nicht aufgeben und die erwähnten Erscheinungen der Apper¬ 
ception anerkennen, so blieb mir somit nur die eine Mög¬ 
lichkeit, durch neue Experimente zu prüfen, ob jene Um¬ 
deutung zulässig ist, derzufolge die Apperceptionsthatsachen 
dem appercipierenden Bewusstsein gewissermassen entzogen 
und in das Bereich der appercipierten Vorstellungen verlegt 
werden. Das ist, soweit die Versuche bisher ausgeführt oder 
geplant sind, das Grundthema der experimentellen Unter¬ 
suchungen, deren Veröffentlichung ich mit diesem Hefte be¬ 
ginne. Jede bringt in ihrer Art einen Beitrag zu der in so 
hohem Mass prinzipiellen Frage. Auch die überraschende 
Bestätigung, welche die bisher zu Ende geführten Unter¬ 
suchungen ohne Ausnahme meinem Umdeutungsversuch zu 
teil werden Hessen, darf nicht abhalten, die Frage wirklich 
nach allen Seiten zu prüfen. 
Allen Experimenten voran aber ging mir die feste Ueber- 
zeugung, dass, wenn die charakterisierte Auffassung der be¬ 
sprochenen Erscheinungen sich nur irgend als möglich erweisen 
sollte, sie unbedingt jeder anderen Auffassung vorgezogen 
werden müsse. Eine einfache methodologische Erwägung war 
mir für diese Ueberzeugung massgebend. Eine der ersten 
Anforderungen der wissenschaftlichen Methodenlehre geht be¬ 
kanntlich dahin, dass jede Hypothese unerklärbare unbekannte 
Grössen möglichst vermeiden oder, wenn sie nicht eliminierbar 
sind, möglichst in ihrem Geltungsbereich beschränken soll;
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.