Bauhaus-Universität Weimar

Einleitung. 
i. 
Die Psychologie, als Lehre von den Bewusstseinserschei¬ 
nungen, führt ihre hervorragenden Fortschritte der letzten 
Jahrzehnte mit Recht auf die völlige Umwandlung ihrer 
- Methode zurück. Selbstbeobachtung galt früher als das ein- 
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zige Mittel, um das Lehen der Seele zu ergründen, ohne dass 
die Fehlerquellen berücksichtigt wurden, die einerseits daraus 
entstanden, dass der Beobachter zugleich das beobachtete Ob¬ 
jekt war, andrerseits daraus, dass unabsichtlich die Lücken jeg¬ 
licher Beobachtung sich mit den die Seele beherrschenden 
Vorstellungen, mit vorgefassten Ideen ausfüllen, die hei der 
Arbeit des sich seihst beobachtenden Psychologen reichlich 
aus den metaphysischen Spekulationen zu strömen pflegten. 
Heute sind wir gewohnt, das Experiment im Mittelpunkt 
psychologischer Diskussion zu erblicken, mit künstlichen Hilfs¬ 
mitteln genau kontrollierbare Bedingungen für das Auftreten 
der Bewusstseinserscheinungen herzustellen und nur die exakt 
feststellbaren Resultate solchen Versuchs als feste Stützen 
theoretischer Betrachtung anzuerkennen. 
Selbst das reiche Material von Geistesprodukten und 
psychisch bedingten Lebensformen aus dem individuellen und 
socialen Dasein, aus der ontogenetischen und phylogenetischen 
Entwicklung, alles wird von der modernen Psychologie durch 
vergleichende Betrachtung und durch Feststellung der vari- 
Münsterberg, Beiträge. I. 1
        

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