Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Willenshandlung. Habilitationsschrift
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38739/52/
50 
selbstsüchtigste allein übrig bleibt, so ’ acceptiert doch auch 
er die Annahme, dass im Hülmergesclilecht Selbstsucht und 
Selbstlosigkeit verschieden verteilt ist. Nichts anderes, kein 
Vertrag und keine Überlegung, wird nun vorausgesetzt, wenn 
wir das Beispiel so variieren, dass wir annehmen, auf ver¬ 
schiedenen Hühnerhöfen herrsche eine verschiedene Durch¬ 
schnittsart, die Bewohner des einen seien mehr selbstsüchtig, 
die des anderen mehr friedfertig. In dem ersteren wird, Wundt’s 
eigenem Beispiele zufolge, schliesslich nur das selbstsüchtigste 
und zanksüchtigste von den Geschöpfen übrig bleiben, unftiliig 
sich zu vermehren, während im anderen eine gedeihliche Ent¬ 
wicklung und Fortpflanzung mit Vererbung der Durchschnitts¬ 
eigenschaft wahrscheinlich eintreten wird. Gerade die ein¬ 
fachsten, den realen Verhältnissen entsprechenden Einzelfalle 
bieten somit anschaulichen Beleg für die allgemeinen hypo¬ 
thetischen Prinzipien. 
Ein scheinbarer Einwand liegt nach all diesen Betracht¬ 
ungen nahe. Wenn unsere Resultate richtig sind, so wäre ja 
Staat und Familie und Volkswirtschaft und Moralgemeinde 
und Gesellschaft, in ihrem objektiven Verhalten völlig über¬ 
einstimmend, zusammengehalten von ein und demselben Prinzip 
der Arbeitsteilung. Dieser Einwand ist unwiderleglich, ja, er 
bezeichnet das nächste Ziel unserer Untersuchung. In der 
That hat es sich ergeben, dass alle jene Formen der Beziehung 
in ihren objektiven Erfolgen darauf hinauslaufen, dass jeglicher 
solche Leistungen, d. h. Muskelkontraktionen ausführt, die nicht 
seiner eigenen Erhaltung dienen, sondern für das Dasein der 
anderen, in engerem oder weiterem Kreise, zweckmässig sind, 
seinerseits dafür aber von jenen anderen Leistungen empfangt, 
ie seiner Erhaltung nützlich oder gar nötig sind, ohne dass 
er selbst sie zu produzieren im stände wäre. Das, was jene 
e îete trennt, sind also nicht die objektiven Wirkungen, son- 
nur die psychologischen Begleiterscheinungen, von denen 
1 aJ’tra^eren> unsere Prämisse war. Wo jener Sclilusserfolg 
an lung, der eigene Nutzen, als Motiv im Bewusstsein
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.