Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Lehre von der natürlichen Anpassung in ihrer Entwickelung, Anwendung und Bedeutung. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doctorwürde bei der Philosophischen Fakultät Leipzig
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38737/80/
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3. Anpassung1 der Organe. 
A. Anpassung an konstante Bedingungen. 
Es ist schwierig, den Begriff des Organs in seiner Stellung 
zwischen Gewebe und Organapparat scharf abzugrenzen und noch 
schwieriger, die Definition bei der praktischen Anwendung streng 
durchzuführen. So war es kaum zu vermeiden, daß bei der Ge- 
websanpassung Vorgänge herbeigezogen wurden, welche eine Mehr¬ 
heit von Geweben berührten, wie z. B. die Bindegewebswucherungen 
noch Gefäße enthalten. Das ist um so natürlicher, als in allen 
Organen eine einzige Gewebsform die Hauptfunktion des betreffen¬ 
den Organs bestimmt und daher über wiegt, während die andern 
nur zu Neben- oder Hilfsfunktionen in Beziehung stehn.*) Anderer¬ 
seits ist nicht minder die Unterscheidung von Organ und Apparat 
besonders bei weniger komplizierten Tieren und Pflanzen häufig 
auf V illkür angewiesen; erst bei den höher differenzierten wird die 
Scheidung klarer. 
Da wir aber die Grenzlinien überhaupt als künstliche erkannten, 
so würde ein etwaiger Übergriff die Richtigkeit der Darstellung 
kaum beinträchtigen, manche Wiederholung dagegen ersparen. 
Dies gilt für die Organe ganz besonders, weil in ihnen die gewöhn¬ 
liche Betrachtung der Körperelemente die organischen Einheiten 
/MT oyj)v zu sehen gewohnt ist, aus deren Zerlegung die Gewebe 
und Zellen, aus deren Zusammensetzung die Organsysteme und 
Organismen zu erhalten sind; durch diese übliche centrale Stellung 
muß das Organ hei der Betrachtung ein Übergewicht erlangen, so 
daß wir oft von einem Anpassungszustand der Organe sprechen, 
wo mit demselben Recht ein einzelnes Gewebe als adaptiert hätte 
berücksichtigt werden können oder wo mit dem Organ die kompli¬ 
ziertere Funktion des Systems verändert wurde. 
Wieder wird sich, ehe wir den Anpassungszustand diskutieren, 
die Frage erheben, ob irgendwelche Thatsachen direkten Adaptions¬ 
prozesses unserer Beobachtung zugänglich sind. 
a. Prozeß der Organanpassung an konstante Bedingung. 
Da auch hier an der Spitze der Untersuchung zwingender 
Weise die Überzeugung stehen muß, daß die Anpassung als solche 
1) Wundt, Physiologie. S. 23.
        

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