Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Lehre von der natürlichen Anpassung in ihrer Entwickelung, Anwendung und Bedeutung. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doctorwürde bei der Philosophischen Fakultät Leipzig
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38737/28/
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denjenigen, welche zwar auch physikalisch-chemische Wirkung ver¬ 
änderter Existenzbedingungen sind, dagegen ihrerseits nicht Ursache 
werden zur Erhaltung des Geschöpfes. Wenn Semper auch selbst 
in seinen Beispielen nicht so weit geht, so hindert doch kein Wort 
seines Buches, Umbildungen wie Fettablagerung nach reichlicher 
Nahrung oder Krankheit etc. mit Haeckel als Anpassung zu bezeichnen, 
was offenbar nicht in Sempers Sinne liegt. 
Natürlich ist für die Aufgabe aller dieser Bücher jener Be¬ 
deutungswandel des Begriffes völlig gleichgiltig; denn, wo es nur 
gilt, die bisher erkannten Kausalzusammenhänge darzustellen, da 
wäre es müßig zu. streiten, oh man alle, durch die Existenz¬ 
bedingungen bewirkten Veränderungen unter der Überschrift An¬ 
passung zusammenfassen soll, oder nur die bei der Fortwirkung 
der Bedingungen dem Individuum und der Art nützlichen. Die 
Darstellung des schon Erkannten ist aber nur untergeordnete Auf¬ 
gabe; viel wichtiger ist die Weiterforschung, und für diese ist es 
ein entschieden wertvolles Hilfsmittel, wenn sie mit einem Begriff 
operieren kann, unter den die Umbildungen der einen Art und 
nicht die der andern fallen. Hat die Forschung erst festgestellt, 
ob eine Eigentümlichkeit irgend einer Existenzbedingung gegenüber 
für das Individuum nützlich ist, so wird sie wahrscheinlich auf 
richtigem Wege gehen, wenn sie nun zwischen der Eigentümlichkeit 
und der betreffenden Bedingung einen direkten oder indirekten 
Kausalzusammenhang sucht. Die Erkennung des Nutzens ist also 
für die moderne Wissenschaft ein unerläßlicher Fingerzeig auf die 
kausale Erklärung. Eben deshalb aber ist es notwendig, die Gruppe 
der nützlichen Umgestaltungen auch begrifflich zu methodischen 
Zwecken zu fixieren. Der Name ist dabei natürlich gleichgiltig; 
aber da dieser Begriff das gemeinsame alles dessen bildet, was die 
verschiedenen Forscher unter Anpassung verstehen, und nichts 
gegen dieses Wort spricht, so ist es geraten, an diesem Wort für 
den Begriff festzuhalten und mithin als Anpassung nur dieses und 
nichts anderes zu bezeichnen. 
Ohne dem Begriff der Adaption eine neue Seite abzugewinnen, 
hat Moritz Wagner die Anpassungslehre wesentlich modifiziert.1) 
Er acceptiert ohne Diskussion die durch Darwin in allgemeinen 
Umrissen geläufige aber nirgends scharf abgegrenzte Auffassung, 
r) Wagner, Darwinsche Theorie und das Migrationsgesetz der Or¬ 
ganismen. 1868,
        

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