Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Lehre von der natürlichen Anpassung in ihrer Entwickelung, Anwendung und Bedeutung. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doctorwürde bei der Philosophischen Fakultät Leipzig
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38737/111/
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und unter veränderten Bedingungen die sekundäre Leistung zur 
primären werden kann und in diesem Sinne die Gewebsverhältnisse 
des Organes verändert werden können: so ist damit auch gegeben, 
daß sein korrelates Organ sich ändert und somit ein ganz neuer 
Zustand wechselseitiger Anpassung entsteht. 
Die Voraussetzung bleibt aber immer, daß solch Zustand 
wechelseitiger Abhängigkeit schon vorher bestand; wir können in 
der Stammesgeschichte so weit zurückgehen, wie wir wollen, wir 
können bis zum ersten Protoplasmaklümpchen die Betrachtung aus¬ 
dehnen: wir müssen auch hier schon diese wechselseitige Beziehung 
der kleinsten Teile voraussetzen, da ihre spätere Entstehung durch 
Umbildung sonst unerklärlich wäre. Auf die Frage aber, wie jener 
erste Organismus zu dieser Eigenschaft gekommen sei, fanden wir 
schon früher die Antwort, daß eben durch diese Eigenschaft allein 
der Organismus sich von anderen Körpern unterschied, daß wir 
organisch nennen, was diese Eigenschaft hat. Die Entstehung ist 
damit natürlich nicht erklärt, wohl aber ist die Frage dadurch ver¬ 
einfacht, da sie nun mit dem Rätsel der Urzeugung identifiziert 
ist, deren Diskussion selbstverständlich außerhalb des Rahmens dieser 
Studie bleiben muß. 
Aufsteigend von der Monere scheint es keine Schwierigkeiten 
zu bieten, wenn wir annehmen, daß von zwei kleinsten korrelaten 
Teilchen bald das eine, bald das andere durch Reaktion auf äußere 
Reize durch Anpassung an konstante Bedingungen sich- verändert 
und dadurch stets Umgestaltung des anderen beeinflußt habe, bis 
sie in fortwährender Zunahme von Volumen und Differenzierung 
zu korrelaten Organsystemen hochentwickelter Lebewesen wurden. 
Dagegen scheint es unvermittelt, wenn wir, gelegentlich der Betrach¬ 
tung des Prozesses sahen, daß in den Nerven, Gefäßen u. s. w. 
Einrichtungen vorgebildet sind, mittelst deren die Organe sich 
wechselseitig anpassen, so daß von der ursprünglichen direkten 
Korrelation, bei welcher jedes Organ wirklich Stoffwechselbedingung 
des anderen ist, kaum mehr die Rede sein kann. — Ein Vergleich 
aus dem sozialen Leben mag das illustrieren. In ursprünglichen 
Verhältnissen war Produktion und Konsumtion durch Personalunion 
aneinander geknüpft; als durch Steigerung der Produktionsleistungen 
die Konsumtion stieg und durch Wachsen der Konsumtionsbedürf¬ 
nisse die Produktion größere Anstrengungen machen mußte, deckten 
sieh beide durchaus nicht mehr. Der Produzent suchte die Kon¬ 
sumenten, welche seine Produkte brauchten, und umgekehrt; und
        

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