Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Lehre von der natürlichen Anpassung in ihrer Entwickelung, Anwendung und Bedeutung. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doctorwürde bei der Philosophischen Fakultät Leipzig
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38737/10/
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Form1), er bringt nicht nur keine Erklärung der Beziehungen 
zwischen Naturumgebung und Pflanzenorganisation, sondern läßt es 
überhaupt bei der einfachen Aufzählung der Pflanzen nach dem 
Gesichtspunkt der Verschiedenheiten in Boden, Luft, Klima etc. 
bewenden. Daß trotzdem auch diese einfache Zusammenstellung 
ihre Bedeutung für die Anpassungslehre hatte, beweist der Einfluß, 
den das Buch auf Herder ausübte. 
Johann Gottfried Herder geht von der Anschauung aus, welche 
die deutsche Naturphilosophie fast ein Jahrhundert beherrschte, „daß 
die Natur alle Lebendigen nach einem Hauptplasma der Organisation 
gebildet habe“. Das war ein großer Fortschritt gegenüber der 
einfachen Klassifikation der Geschöpfe, war aber nicht minder weit 
von dem Postulat einer realen Verwandtschaft der Tiere entfernt. 
Innerhalb der Grenze der einzelnen Species gewinnt aber auch die 
Verwandtshaft der an und für sich sehr verschiedenen Geschöpfe 
bei Herder reale Bedeutung; ohne weiteres giebt er innerhalb des 
Artbegriffs für Pflanzen und Tiere die reale Transmutation durch 
zweckmäßige Anpassung zu; er selbst nennt es „Zubildung“. Ge¬ 
legentlich der Besprechung der schwarzen Negerfärbung berührt er 
sogar schon den uns heute allerdings unerläßlichen Faktor der 
langen Zeiträume.2) Den Haupteinfluß schreibt Herder dem Boden 
und dem Klima zu. „Wären auf der Erde andere Metalle zerstreut 
gewesen — welch’ andere Geschöpfe hätten auf ihr leben müssen.“3) 
„Mannigfaltigkeit des Erdreichs und der Luft macht Spielarten an 
Pflanzen wie an Tieren und Menschen. Gewächse, die in warmen 
Ländern zur Baumeshöhe wachsen, bleiben in kalten Gegenden 
kleine Krüppel.“4) „Die Gattungen, die fast überall auf der Erde 
leben, gestalten sich beinahe in jedem Klima anders,“ ein Satz, 
den Herder mit einer Fülle interessanter Beispiele belegt. In der 
eingehendsten Weise führt er die angepaßte Abänderung beim 
Menschen durch, den Einfluß der Kälte auf den Lappländer, die 
Wirkung der Hitze auf den Afrikaner, die Umgestaltung, welche 
die durch die Naturverhältnisse bedingte Lebensweise bei den 
Kalmücken geschaffen.5) So „erhellt, warum alle ihrem Lande 
zugebildeten sinnlichen Völker dem Boden desselben so treu sind 
*) Linnaei, Philosophia botanica, in qua explicantur fundamenta botanica. 
Ed.* altera. Vienne 1763. 
2) Herder, Ideen zur Geschichte der Menschheit. Brockhaus 1869. 
Bd. II, S. 22. 
8) Bd. I, S. 36. 4) Bd. I, S. 41. 5) Bd. II, S. 4—20.
        

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