Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Bewegungsempfindungen: Inaug.-Diss.
Person:
Delabarre, Edmund Burke
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38706/79/
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schwindigkeit durchgezogen wurde, kürzer sei. Tn den patho¬ 
logischen Fällen , wo hei Abwesenheit peripherischer Sensibilität 
der Patient Bewegungen ausführen kann, stützt sich sein Urteil 
über die Beendigung der aktiven Bewegung hauptsächlich auf die 
Zeitempfindung.1) Loeb mass die Zeit, welche jede Bewegung in 
Anspruch nahm um zwei Fühlstrecken gleich zu machen, und fand 
sie fast immer annähernd gleich. Dass dies nicht immer so ist, 
hat eine Reihe von den für diese Untersuchung gemachten Ver¬ 
suchen ergeben, in denen bei einer Versuchsperson die reproducirte 
Bewegung gewöhnlich in beträchtlich kürzerer Zeit gemacht wurde, 
als die erste Bewegung, und bei einer anderen kurze Zeiten bei 
der Reproduktion länger, und lange Zeiten kürzer ausfielen. Wo 
sich die Versuchsperson auf den Zeitsinn verlässt, um eine zweite 
Bewegung in ihrer Ausdehnung einer gegebenen gleich zu machen, 
muss sie bei dem Bemühen die Dauer der zweiten Bewegung der¬ 
jenigen der ersten gleich zu machen sich auch bemühen die Ge¬ 
schwindigkeiten gleich zu machen. Geringe Verschiedenheiten in 
der Geschwindigkeit jedoch können nicht entdeckt werden. Das¬ 
selbe gilt für Schätzungen der Dauer. Jeder Faktor liefert somit 
eine Quelle des Irrtums bei der Schätzung des Umfanges. 
Wundt bestreitet, dass wir unter normalen Bedingungen den 
Umfang einer Bewegung nach der dazu verbrauchten Zeit schätzen. 
„Wir können eine und dieselbe Bewegung bald langsamer, bald 
schneller ausführen, ohne uns über den Umfang derselben erheblich 
zu täuschen.2)“ Dies gilt nur bis zu einem gewissen Grade; und die 
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obigen Bemerkungen, gestützt durch die direkte Überzeugung 
vieler Versuchspersonen, zeigen, dass zuweilen, aber nicht immer, 
die Zeitempfindung der Hauptfaktor im Bewusstsein ist. 
Aber welches Element auch immer die erste Stelle im Be¬ 
wusstsein des Individuums einnehmen mag, ist es klar, dass ihre 
Grundlage, wenn der Gesichtssinn ausgeschlossen ist, in den 
!) Goldscheider, Zeitschr. f. Kl. Med., XV, 1889, S. 153 ff. 
2) Wundt, Phys. Psych., 3te Aufl., Bd. I., S. 405, 
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