Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Bewegungsempfindungen: Inaug.-Diss.
Person:
Delabarre, Edmund Burke
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38706/19/
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Einer der ersten Beweisgründe, die vorgebracht wurden, war der¬ 
jenige J. Müller’s,1) dass wir vor der Bewegung, bevor wir ein 
Gewicht heben oder eine Treppe hinansteigen, den anzuwendenden 
Grad der Anstrengung vorausempfinden können. Nach dem Aus¬ 
sehen des zu hebenden Gewichtes schätzen wir mit grosser Ge¬ 
nauigkeit die dazu nothwendige Anwendung der Kraft, da wir 
von früher ausgeführten Versuchen noch wissen, wTie gross die 
Intensität des motorischen Impulses sein muss, um ein so aus¬ 
sehendes Gewicht zu heben. Diese Anticipation regulirt die Stärke 
des Impulses, den wir jetzt anwenden. Diese Anticipation ist 
aber nichts anderes als eine durch Association erweckte Erinnerungs¬ 
vorstellung der die früher ausgeführten Bewegungen begleitenden 
sensorischen Effekte. Die Erwartung dieser bestimmten Em¬ 
pfindungen führt direkt die Bewegung herbei, welche diesen Em¬ 
pfindungen entspricht. 1st nun das Gewicht so schwer, dass es 
durch einen so anticipirten Impuls nicht gehoben werden kann, 
so entsteht die Erinnerungsvorstellung, und dadurch die Ausführung 
einer grösseren Anstrengung der Brust-, Kopf-, Rücken- und Arm¬ 
muskeln, und das Gewicht wird gehoben. Hier also haben wir 
keinen Beweis, dass wir die centrifugale Erregung empfinden. 
2. Ein anderes Argument wird von Wundt vorgebracht. 
Wenn unsere motorischen Gefühle lediglich von peripheren Em¬ 
pfindungen herrührten, so müsste die Grösse der Kontraktion immer 
der Empfindung der aufgewandten Anstrengung entsprechen. Aber 
das ist nicht der Fall. „Der Paralytiker, der sein vollständig ge¬ 
lähmtes Bein aufzuheben sucht, hat eine Empfindung von Kraft¬ 
anstrengung, obgleich alle jene Elemente der Bewegungsempfindung 
fehlen müssen, die in der Contraction der Muskeln, in den Ver- 
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Schiebungen und dem Druck der Hauttheile ihre Quelle haben.2)“ 
Und Wundt meint, dass diese Empfindung von Kraftanstrengung 
abhängig ist von der Stärke des Bewegungsimpulses, der von dem 
Centralorgan ausgeht. Ferri er dagegen weist nach, dass sie 
B Handbuch d. Physiologie. 1840, Bd. IL, S. 500. 
2) Wundt : Grundzüge der phys. Psych, 3. Aufl., 1887, Bd. I, S. 403. 
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