Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Bewegungsempfindungen: Inaug.-Diss.
Person:
Delabarre, Edmund Burke
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38706/12/
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Veränderungen müssen lediglich Begleiterscheinungen centraler 
Erregungen sein, welche ihrerseits entweder auf centripetaler 
Reizung oder auf Vorgängen associativer Natur beruhen müssen. 
Alle höheren psychischen Kräfte werden auf diese Weise erklärbar, 
und in die Zahl derer, ivelche so erklärt werden müssen, ist auch 
der Wille einzuschliessen. 
Die Annahme einer solchen Ansicht würde unter denkenden 
Männern keine Schwierigkeit finden, wenn sie nicht scheinbar mit 
den Forderungen der moralischen, religiösen und ästhetischen 
Interessen unvereinbar wäre. Dies sind Fragen, welche wir hier 
nicht erörtern können. Wir müssen uns damit begnügen, unsere 
• • 
Überzeugung auszusprechen, dass die moderne Psychologie 
in keiner Weise das geistige Leben seiner Bedeutung, seines 
Wertes und Adels entkleidet. „Die Moral besteht und der De¬ 
terminismus ist eine wissenschaftliche Wahrheit, die durch die 
Vernunft gefordert, durch die Erfahrung bestätigt wird ; also muss 
die Moral zugleich mit dem Determinismus des Wollens möglich 
sein.1)“ Die ganze räumliche und zeitliche Erscheinungswelt, zu 
welcher unsere Persönlichkeiten vollständig gehören, muss also 
überall und ausnahmslos eine Kausalwelt sein. 
Es ergiebt sich hieraus, dass alle Bewegungen ausser 
den passiven entweder einfache oder komplicirte Reflexe sind. 
Die ersten Bewegungen des Organismus müssen Reaktionen des 
Instinktes oder Gefühls auf peripherische Reize gewesen sein. 
Nach ihrer Ausführung haben sie im Gedächtnisse optische, taktile 
und kinästhetische2) Bilder von sich und von ihren Wirkungen 
hinterlassen. Diese können durch Association später wieder er¬ 
weckt werden. In diesem Falle werden sie, wenn keine Hemmung 
!) Riehl, a. a. O., II. Bd., II. Th., S. 219. 
2) „Nach dem Vorschläge von Bastian bezeichnen auch wir die Summe 
derjenigen Empfindungen, welche hei der Thätigkeit von Muskeln in diesen selbst, 
den zugehörigen Sehnen, dem Gelenke, den Ligamenten u. s. w. ausgelöst werden, 
kurz als die kinästhetischen Empfindungen, wobei dahingestellt gelassen werden 
kann, in welchem Maasse sich diese verschiedenen Theile des Gliedes an der 
Hervorbringung des kinästhetischen Empfindungskomplexes betheiligen.“ — Müller 
und Schumann, Pflüger’s Archiv XLV (1889), S. 85.
        

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