Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimental-Zoologie. 5. Funktion. Eine Zusammenfassung der durch Versuche ermittelten Gesetzmässigkeiten tierischer Verrichtung (Ausübung, Wechselwirkung, Anpassung)
Person:
Przibram, Hans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38680/90/
Gesclileclitsvertauschung („Feminierung“ und „Maskulierung“). 
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außerordentlich mächtig entwickelte Scheren. Am Abdomen hat 
das Männchen nur ein einziges Paar von Anhängen. Von diesen 
normalen Männchen unterscheidet sich das normale Weibchen 
[X, 4$] durch die kolossale Entwicklung des Hinterleibes, der 
kugelförmig gewölbt ist, durch die sehr schwache Ausbildung 
der Scheren und dann namentlich durch die gänzlich anders ge¬ 
artete Ausbildung der Extremitäten des Abdomens. Und zwar 
besitzt das Abdomen vier Paar Gliedmaßenanhänge, die zwei¬ 
ästig und gefiedert sind und zur Befestigung der Eier dienen 
Werden nun männliche Individuen der Inachus von Sacculina 
befallen, so läßt sich folgendes beobachten: Dieser Parasit hängt 
sich gerade an die Grenze zwischen Thorax und Abdomen an 
und entsendet Ausläufer, die die Nahrung aus dem Wirte dem 
Parasiten zuführen. Es zeigt sich nun, daß ein solches Inachus- 
männchen [X, 4 c] seinen männlichen Charakter verliert. Die 
Schere z. B. wird nicht größer als beim Weibchen. Viel merk¬ 
würdiger sind aber die Veränderungen, die sich am Hinterleibe 
des Männchens abspielen. Zunächst fängt sich der Hinterleib an 
zu verbreitern, ohne aber zunächst kugelig zu werden. Betrachten 
wir die Unterseite des Abdomens, so sehen wir, daß nicht nur 
diese Verbreiterung des Abdomens das parasitisch infizierte 
Männchen dem Weibchen ähnlich gemacht hat, sondern daß auch 
die Anhänge des Abdomens des Männchens kürzer geworden sind, 
und daß außer diesen Anhängen Anhänge an solchen Abdominal¬ 
segmenten auftreten, an denen das Männchen überhaupt keine 
zu haben pflegt. Diese überzähligen Anhänge sind ganz ähnlich 
den Eierträgern des Weibchens. Wird der Parasit nicht ent¬ 
fernt, so bildet sich der weibliche Charakter immer mehr aus. 
Der männliche Hinterleib schwillt schließlich kugelförmig an und 
auf der Ventralseite erfolgt vollkommener Schwund der männ¬ 
lichen Kopulationsstacheln, die eine ebensolche Ausbildung wie 
beim Weibchen erfahren können. 
Am merkwürdigsten ist aber das Verhalten nach Entfernung 
des Parasiten. In diesem Palle beginnt die durch den Parasiten 
zur Degeneration gebrachte Keimdrüse wieder zu regenerieren. 
Die regenerierte Keimdrüse isVaber kein Hoden mehr, sondern 
ein Ovarium, indem in ihr Eier produziert werden. Es wurde also 
hier die Keimdrüse selbst umgestimmt. Dieser Fall ist so außer¬ 
gewöhnlich, daß er jedenfalls noch einer Bestätigung bedurfte. 
Sie erfolgte durch Potts (1906) Untersuchungen an Eupagurus; 
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