Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimental-Zoologie. 5. Funktion. Eine Zusammenfassung der durch Versuche ermittelten Gesetzmässigkeiten tierischer Verrichtung (Ausübung, Wechselwirkung, Anpassung)
Person:
Przibram, Hans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38680/70/
Innere Sekretion: a) Nichtgeschlechtliche Drüsen. 
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VIII/1. Kapitel. 
Innere Sekretion: a) Niclitgesclileclitliclie Drüsen. 
Schilddrüse u. ä. 
Wenn wir die Verdauungstätigkeit bei den Infusorien be¬ 
trachten, so linden wir daselbst folgende Verhältnisse: Irgend 
ein Infusor nimmt eine Nahrungspartikel auf; diese gelangt in 
das Innere des Tieres und wird dort von einer Vakuole umgeben. 
Untersuchen wir mittels Lackmus die Reaktion der in der Vakuole 
enthaltenen Flüssigkeit, so zeigt sich, daß sich die Vakuole zunächst 
rot färbt, also sauer reagiert; schon nach kurzer Zeit aber geht 
diese Rotfärbung in eine Blaufärbung über, die Reaktion wfird 
alkalisch. Dieses normale Verhältnis findet sich auch bei den 
höheren Tieren wieder. Auch hier erfolgt zunächst eine sauere 
Verarbeitung der Nahrung, die im Magen vor sich geht und dann 
in den übrigen Darmabschnitten in eine alkalische umschlägt. 
Zunächst wird also die eingebrachte Nahrung einer sauren Zer¬ 
setzung unterworfen, wobei auch eine Abtötung etwaiger Bakterien¬ 
keime u. dgl. erfolgt. Später aber erfolgt teilweise unter Mit¬ 
wirkung von Fermenten eine alkalische Aufspaltung von Nähr¬ 
stoffen. In der Verdauungstätigkeit dieser Vakuolen sehen wir 
eine Funktion vor uns, die wir als Sekretion, und zwar nicht als 
innere, sondern als äußere Sekretion betrachten müssen; der Leib 
des Infusors hat diese Vakuole, die zwar kein beständiges Organ 
zu sein braucht, aber doch eine Höhlung im Leibe darstellt, mit 
einem Sekrete versehen. Auch bei den höheren Tieren haben 
die meisten von den zur Verdauung dienenden Drüsen Aus¬ 
führungsgänge, in welche sich die betreffenden Sekrete ergießen, 
um dann in den freien Hohlraum des entsprechenden Teiles des 
Verdauungstraktes die Verdauungsfunktion auszuüben. 
Nun betrachten wir das Infusor weiter. Dieses besitzt außer 
dem Zelleib einen oder mehrere Zellkerne. R. Hertwig (1908) 
und seine Schüler haben gezeigt, daß das Verhältnis zwischen 
Zellkern und Zelleib kein beliebiges ist, sondern daß einem Zell¬ 
kern von bestimmter Größe ein Zelleib korrelierter Größe ent¬ 
spricht. Diese sogenannte Kern-Plasma-Relation ist Veränderlich¬ 
keiten unterworfen, die aber immer wieder zu den ursprünglichen 
Verhältnissen führen (vgl. Conklin 1911, Plenk 1911).
        

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