Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimental-Zoologie. 5. Funktion. Eine Zusammenfassung der durch Versuche ermittelten Gesetzmässigkeiten tierischer Verrichtung (Ausübung, Wechselwirkung, Anpassung)
Person:
Przibram, Hans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38680/64/
Geruch- und Geschmacksunterscheidung (Chemorezeption). 
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die meistens außerordentlich lang ist. Versuche, welche von 
Doflein (1910) ausgeführt wurden, haben ergeben, daß die 
beiderseitige Entfernung der ersten Antenne oder bloß die beider¬ 
seitige Entfernung der Geißeln derselben die Garneele der Fähigkeit 
beraubt, Fleisch von der Ferne wahrzunehmen. Die erste Antenne 
ist also die Geruchsantenne; an ihrer Basis besitzt sie einen 
Statolithen, dessen Bedeutung verschieden gedeutet wird. Nach 
einigen soll er als statisches Organ, nach anderen als Gehörsorgan 
zu betrachten sein. 
Die zweite Antenne besitzt nicht jene ausschließliche Eignung 
zum Geruchsorgan, wenigstens nicht in dem Sinne, daß ihre Ent¬ 
fernung das Tier verhindern würde, die Nahrung von der Ferne 
zu wittern. Wohl aber sollen in ihr Organe liegen, die es dem 
Tiere ermöglichen, die Geruchswirkungen in einer uns unbekannten 
Weise zu analysieren. Man könnte hiebei entweder an den schon 
erwähnten Kontaktgeruch denken oder aber an einen sogenannten 
topochemischen Sinn, also einen Geruchssinn, der sozu¬ 
sagen mit räumlichen Vorstellungen verknüpft ist. Versuche 
nach dieser Richtung sind keine beweisenden angestellt worden 
(vgl. hiezu Be the 1898). 
Ebenso wie bei den Krebsen finden sich auch bei den luft¬ 
atmenden Arthropoden (Tracheaten), und zwar namentlich bei 
den Insekten, Organe, die den Fühlern der Dekapoden entsprechen. 
Diese Fühler sind aber nur in der Einzahl auf jeder Seite vor¬ 
handen. Früher hatte man, verleitet namentlich durch die Unter¬ 
suchungen G r a b e rs, angenommen, daß es sich bei den Fühlern 
der Insekten um Gehörsorgane handelt. Gräber (1885) schnitt 
Grillen den Kopf ab und fand, daß trotzdem noch in den Fühlern 
des abgeschnittenen Kopfes Reaktionen bei Anschlägen von Tönen 
eintraten und schloß darauf auf Tonperzeption. Es ist ja nicht 
unmöglich, daß bei seinem Versuchsobjekt etwas dergleichen, wie 
Tonperzeption mittels der Fühler, vorhanden ist. Es wurde fest¬ 
gestellt, daß bei der Grille im Schaft des Fühlers sich ein kleines 
Häutchen vorfindet, das eine Art Tympanalorgan darstellen dürfte. 
Daß die Grille auf Töne reagiert, ist ja sicher; bei anderen In¬ 
sekten sind aber keine analogen Organe und dieselben erzeugen 
auch kein Geräusch wie die Grillen. Es sind von anderen For¬ 
schern Versuche mit Rücksicht auf den Geruchssinn gemacht 
worden, indem sie namentlich der „Fühlersprache“, die bei den 
sozialen Hymenopteren anscheinend vorhanden ist, ihre Aufmerk-
        

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