Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimental-Zoologie. 5. Funktion. Eine Zusammenfassung der durch Versuche ermittelten Gesetzmässigkeiten tierischer Verrichtung (Ausübung, Wechselwirkung, Anpassung)
Person:
Przibram, Hans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38680/52/
Kompensationen (Mechanokorrelation). 
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Yon diesen Fällen, die noch nicht völlig aufgeklärt sind, in 
denen es sich aber wahrscheinlich um eine verschiedene Be¬ 
anspruchung der zugeführten Blutmenge handeln dürfte, möchte 
ich übergehen zu analogen Fällen im Gebiete des Nervensystems, 
wobei es sich darum handelt, daß die Funktion von paarig mit¬ 
einander verknüpften Organen sich modifiziert, wenn das eine 
Organ entfernt oder durchschnitten wurde, und zwar möchte ich 
hier die Versuche von Matul a (1913) erwähnen, der sich mit 
Fröschen beschäftigte, deren Bückenmark quer durchtrennt worden 
war [Y, 3]. Es wurde nun die reflektorische Erregbarkeit der 
Hinterextremität durch Reizung der Zehen mit dem elektrischen 
Strome geprüft. Es ergab sich eine bestimmte Reizempfindlichkeit. 
Wurden nun die motorischen Wurzeln des Ischiadicus der Gegen¬ 
seite durchtreu nt, so ergab sich eine erhöhte Reflexerregbarkeit 
[Y, 3 a]. Wir sehen also, daß hier die Nervenerregung eine Kom¬ 
pensation gesucht hat und daß sie, da sie auf der einen Seite 
keinen motorischen Ausgleich erreichen konnte, auf der anderen 
Seite eine Erhöhung des Effektes bewirkte. 
Ähnliche Versuche wurden an Libellenlarven [Y, 4 b\ aus¬ 
geführt. Durchschneidet man bei einer Libellenlarve das Bauch¬ 
mark oberhalb des dritten Thorakalganglions [Y, 4Jf], so kann 
man öfters an den beiden nervös isolierten Hinterbeinen rhyth¬ 
mische alternierende Bewegungen beobachten. Zählt man diese 
Bewegungen, so findet man, daß deren Frequenz pro Minute eine 
bestimmte Zahl (n) beträgt. Fixiert man nun die eine Extremität 
und verhindert sie an ihrer Bewegung, so zeigt sich nun, daß 
die Bewegungen des freien Beines genau um das doppelte in 
ihrer Frequenz zugenommen haben [Y, 4a], also nun eine Rhythmik 
von 2 n pro Minute aufweisen (Ma tu la 1911). Diese Ver¬ 
suche sind auch darum von Interesse, weil sie zeigen, daß es 
sich offenbar auch im Nervensystem um einen gewissen Strom 
handelt, der sich vergleichen läßt mit einem fließenden Strom in 
einem Röhrensystem. 
Ich möchte hier schließlich auf Versuche verweisen, die ganz 
ähnliche Verhältnisse für morphologische Bildungen erwiesen 
haben und bei welchen es mir gelungen ist, nachzuweisen, daß 
es sich nicht um Innervationen handeln kann; nämlich auf Ver¬ 
suche über die Scherenumkehr der Krebse. Von Nothnagel 
(1885) wurde bereits beobachtet, daß einscherige Flußkrebse eine 
verhältnismäßig viel zu schwere Schere hatten, daß also die
        

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