Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimental-Zoologie. 5. Funktion. Eine Zusammenfassung der durch Versuche ermittelten Gesetzmässigkeiten tierischer Verrichtung (Ausübung, Wechselwirkung, Anpassung)
Person:
Przibram, Hans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38680/44/
Schall- und Ersckütterungsunterscheidung (Mechanorezeption). 37 
Methoden und Versuchsvariationen zur Anwendung gelangten. 
So liegen negative Versuche von Kr ei dl (1895), positive von 
Zennek (1903) und Maier (1909), negative von Bernouilli 
(1910) usw. vor. Es hat sich nun herausgestellt, das dieser wider¬ 
sprechende Ausfall der Experimente, abgesehen von Versuchs¬ 
fehlern, durch den Umstand bedingt ist, das manche Fische 
für Gehörsreize sehr empfindlich, andere hingegen vollständig 
taub sind. 
Goldfische sind beispielsweise vollständig taub, während die 
Karpfen zu hören vermögen. Sehr empfindlich auf Schallreize 
sind die Haifische und die Zwergwelse [IV, 5], an welchen auch 
die ersten exakten Untersuchungen in dieser Richtung von 
Maier (1909) ausgeführt wurden. Durch die Untersuchungen 
Ha e mp eis (1911) ist festgestellt worden, daß der Gehörsinn 
des Zwergwelses in denselben Teilen des Ohres lokalisiert ist, 
wie beim Menschen. Diese Versuche stimmen mit jenen von 
Parker (1908, 1909) an Selachiern überein, der weiters nach¬ 
wies, das im Gehörsorgan der Fische zwei Zonen unterscheidbar 
sind, nämlich die eigentliche Gehörszone und der Apparat der 
Gleichgewichtsorgane. Zerstört man die Gehörszone, so verliert 
das Tier die Fähigkeit auf Schallreize zu reagieren, zerstört man 
die andere Zone [IV, 6 a], so verliert das Tier seinen Gleich¬ 
gewichtssinn. Es herrschen also bei den Fischen ganz ähnliche 
Verhältnisse wie bei den Säugetieren, wenn auch der Bau des 
Gehörorgans ein viel einfacherer ist. 
Die Fische besitzen aber neben dem Gehörsapparat ein 
Organs)'stem, das von manchen als eine Art Manometer ange¬ 
sehen wird, durch das die Tiere instand gesetzt sind, Druck¬ 
differenzen und Wasserströmungen wahrzunehmen, nämlich die 
Organe der Seitenlinie. Diesbezüglich wurden gleichfalls Ver¬ 
suche angestellt (Hofer 1907), die derart angeordnet wurden, 
daß man den Tieren die Seitenlinie zerstörte ; es zeigte sich nun, 
daß die Tiere nicht mehr die Fähigkeit besaßen, Wasser¬ 
strömungen wahrzunehmen, sondern sich von der Strömung fort¬ 
tragen ließen. Wieweit dabei ein allgemeiner Muskeltonus be¬ 
teiligt war, lassen die Versuche nicht erkennen. 
Interessant sind die Versuche von Piper (1906, 1910, 
1911), dem es gelang vom Akustikus bei Fischen Aktionsströme 
abzuleiten, jedoch nur dann, wenn auf das Ohr Töne einwirkten. 
Ein schwacher Aktionsstrom wurde bei Erschütterungen erhalten,
        

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