Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimental-Zoologie. 7. Zootechniken. Eine Zusammenfassung der für Versuche mit Tieren verfügbaren Forschungsweisen (Fragestellung, Versuchsführung, Bearbeitung)
Person:
Przibram, Hans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38679/79/
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III. Echinodermata. 
Zur Aufzucht von Stachelhäutern werden frischgefischte 
Geschlechtstiere genommen. Die künstliche Besamung erfolgt 
entsprechend der natürlichen Fortpflanzung außerhalb der Eltern. 
Stehen diese nicht ganz auf der Höhe ihrer Reife, so muß, 
andernfalls kann hiezu die Entnahme der Geschlechtsprodukte 
durch Aufschneiden und Entleeren der Ovarien beziehungsweise 
Testikel in Seewasser vorgenommen werden (über die Geschichte 
der künstlichen Besamung vgl. Przibram, Exper. Biol. d. Seeigel 
in Bronn’s Klassen u. Ordn. d. Tierr. 1902). Bis zum Aus¬ 
schwärmen der Larven benötigen die Eier nur das Seewasser 
und Sauerstoff, der in niedrigen Gefäßen von der Oberfläche 
ohnehin stets eindiffundiert. Die Larven jedoch müssen in einer 
gewissen Bewegung gehalten und reichlich gefüttert werden. Er¬ 
folgreich wird die Aufzucht in dem von Mac Bride angewandten 
Verfahren: zwei große zylindrische Glasgefäße sind unweit von¬ 
einander aufgestellt. In jedes taucht eine Glasplatte ein. Die 
beiden Platten sind an einer Balancierstange derart angehängt, 
daß beim Eintauchen der einen die andere aufwärts schwebt und 
umgekehrt. Der Balancer wird auf irgend eine Art in fortwährender 
schwingender Bewegung gehalten. Das könnte durch einen Motor 
geschehen. Es läßt sich aber auch durch fließendes Wasser die 
Kippung hersteilen. Diese ganze Vorrichtung ermöglicht das 
Schweben der Larven, die Sättigung des Seewassers mit Luft, endlich 
auch die gleichförmige Verteilung der als Futter zu reichenden 
durchsichtigen Meeresalge Nitzschia (Kultur vgl. oben I. Protisten). 
Mittelst genügender Futterzuchten konnten die Seeigel und See¬ 
sterne bis über die Metamorphose hinaus kultiviert werden. Es ge¬ 
lang dies selbst bei Bastarden und künstlich parthenogenetisch 
entwickelten Larven. Die weitere Ernährung jnit Fischfleisch und 
sonstigen Seetieren ist leicht. Doch ist der Eintritt der Ge¬ 
schlechtsreife schwer zu erreichen. Daher haben wir noch nicht die 
Möglichkeit mehrere Generationen von Echinodermen zu ziehen. 
Es würde dies vielleicht am leichtesten bei jenen Formen möglich 
sein, die infolge Bewohnung kalter Meere weit vorgeschrittene 
Embryonen freigeben. 
IV. Vermes. 
Den Haltungsbedingungen ist nicht viel betreffs Weiterzucht 
hinzuzufügen. Die empfindlichen Bryozoen gehen aus den Stato- 
*
        

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