Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimental-Zoologie. 6. Zoonomie. Eine Zusammenfassung der durch Versuche ermittelten Gesetzmässigkeiten tierischer Formbildung (experimentelle, theoretische und literarische Übersicht bis einschliesslich 1928)
Person:
Przibram, Hans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38678/282/
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so finden wir bei fallender Temperatur ein zu langes Verbleiben 
der Embryonen im Ei (und Mutterleib), bei steigender ein vor¬ 
zeitiges Verlassen („Pözilogonie“ — Giard). Die lange ge¬ 
tragenen Embryonen oder in der Kälte langsam entwickelten 
Eier erreichen die Ausschliipfschwelle später, die in der Wärme 
entstehenden Frühgeburten und rasch entwickelten Eier aber die 
Ausbildungsschwelle. Die Metamorphose, welche bei Insekten kurz 
vor der Geschlechtsreife eintritt, kann bei steigender Temperatur 
soweit vor der Geschlechtsreife eintreten, daß keine ordentlichen 
Keimprodukte mehr gebildet werden können. Dasselbe Diagramm 
kann übrigens für den Einfluß der Autotomie der großen Schere 
bei heterochelen Krebsen auf die Ausbildung der einen oder anderen 
Seite zur Knackschere verwendet werden. Es kommt darauf an, 
ob Wachstum oder Regeneration der Scheren früher eine be¬ 
stimmte Schwelle erreichen, die für das Voraneilen im Knack¬ 
typus maßgebend ist. Gleichzeitiges Erreichen ‘kann sogar zu 
beiderseitiger Knackschere führen. Ferner ist auch dasselbe Dia¬ 
gramm für die Erläuterung der Intersexe an Stelle der zuerst von 
Goldschmidt zur Wahl gestellten beiden Diagramme (Z. ind. 
Aistl. 31, 100, 1923, S. 125) verwertbar. Es ist von demselben 
später (G. und Minami 1927 Stud. Mend.) gebraucht worden, um 
eine geschlechtsgebundene von einem Außenfaktor beeinflußte 
phänotypische Färbung darzustellen. Bei gleichzeitiger Erbanlage für 
beide Geschlechter käme es darauf an, ob die Sch-wellen während 
der Ausbildung der Geschlechtscharaktere alle gleichzeitig für 
dasselbe Geschlecht erreicht werden oder nicht. Durch Temperatur 
lassen sich auch hier weitere Verschiebungen vornehmen. 
Solche „morphodynamische“ (Paul Weiß, vgl. auch Brandt 
1928, 54) [XV, 8] Betrachtungen erlauben es, jenes anscheinende 
Paradoxon aufzuklären, daß bei ähnlichem Furchungstypus der Re¬ 
gulationstypus bei verschiedenen Tiereiern normalerweise verschieden* 
ist, indem das einemal aus jedem Eibruchstücke verkleinerte, ganze 
Embryonen, das anderemal Bruchstücke von Formen entstehen. 
Nehmen wir unsere beiden Sätze der Unabhängigkeit der einzelnen 
Prozesse, also hier der Furchung und Organdeterminierung sowie 
der zunehmenden Potenzverarmung zu Hilfe, so ergibt sich folgendes 
Bild: Wird die Furchung beschleunigt, die Organbildung aber 
nicht, so werden noch auf weitvorgeschrittenen Furchungsstadien 
die Blastomeren totipotent sein, und aus ihnen bei entsprechender 
Teilung ganze verkleinerte Embryonen hervorgehen. Ist umgekehrt 
Przibram, Experimentalzoologie. 6. Zoonomie. 13
        

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