Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimental-Zoologie. 6. Zoonomie. Eine Zusammenfassung der durch Versuche ermittelten Gesetzmässigkeiten tierischer Formbildung (experimentelle, theoretische und literarische Übersicht bis einschliesslich 1928)
Person:
Przibram, Hans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38678/239/
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Speicherorgane als Produzenten für die Sexualhormone erblickt 
werden (z. B. Stieve 1925). Manche Autoren verwerfen jede 
Lokalisation (Champy 1924). Die Sexualhormone der Wirbeltiere 
sind geschlechtsspezifisch, wie die Möglichkeit der „Heterologi- 
sierung“ des einen Geschlechtes durch Einsetzung von Keim¬ 
drüsen anderen Geschlechtes in den Kastraten (vgl. 5, 79) dar¬ 
tut. Geschlechtsumwandlung selbst in vorgeschrittenem Alter 
kommt noch bei den Warmblütern vor und vermag sich sogar 
auf die Keimdrüsen zu erstrecken. Der Antagonismus schließt 
aber nicht das Entstehen von „Hermaphroditen“ aus. Wo das 
Geschlecht der Keime ursprünglich bestimmt wird, ist nicht klar¬ 
gestellt, doch hat die Theorie der nach Wahrscheinlichkeit sich 
kombinierenden Geschlechtschromosomen wie bei den Wirbellosen 
(vgl. 3, 89) auch für die Wirbeltiere viel Anziehendes. Auf die 
und Chromosomentheorie im einzelnen können wir nicht eingehen 
verweisen auf die Handbücher der Vererbungslehre und Sexuologie. 
Die Verschiedenheiten der Geschlechter kommen übrigens nicht nur 
in den auffälligen sekundären Sexualcharakteren des äußeren Ha¬ 
bitus oder innerer Organe, sondern auch in allgemeinen physiolo¬ 
gischen und chemischen Körpereigenschaften zum Vorscheine. 
Es werden nun die neuen Versuche über Kastration, Hetero- 
logisierung und Geschlechtsspezifität an den Klassen der Verte¬ 
braten der Reihe nach behandelt. 
1. Pisces. Kastration bringt bei Elritzen (Phoxinus laevis — 
Kopec 1918, 1927) das Schwinden der roten Hochzeitsfarbe 
mit sich, die namentlich im männlichen Geschlechte an Kehle, 
Bauch und Elossenbasis zur Brunstzeit auftritt [VIII, 5, a—d]. 
Eine sehr starke Expansion der Erythrophoren tritt als Blendungs¬ 
folge bei nicht kastrierten Fischen, schwächer auch an den Ka¬ 
straten auf. Injektion von Infundin (Abolin 1924 II) ruft beim 
Weibchen dieselbe rote Färbung hervor, wie sie sonst nur 
Männchen in gleicher Stärke annehmen. Bei den Stichlingen hat 
normalerweise der Winterhoden ein schmales, wenig Zwischen¬ 
zellen enthaltendes Interstitium gegenüber dem Frühjahrshoden 
der Brunstzeit mit breitem Zwischengewebe und großen Gruppen 
von Zwischenzellen. Man hat deshalb in letzteren die Produk¬ 
tion der sekundären Geschlechtscharaktere gesucht (Gasterosteus 
aculeatus — Courrier 1921, 1922,1925). Das Ausbleiben dieser 
Charaktere an manchen Exemplaren mit breitem Interstitium (G. 
aculeatus — Champy 1923; G.pungitius —Van Oordt (1924)
        

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