Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimental-Zoologie. 6. Zoonomie. Eine Zusammenfassung der durch Versuche ermittelten Gesetzmässigkeiten tierischer Formbildung (experimentelle, theoretische und literarische Übersicht bis einschliesslich 1928)
Person:
Przibram, Hans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38678/237/
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tritt die große Pause ein. Der infantile Vorder!appen funktioniert 
noch nicht. Die Inkretion der infantilen Keimdrüse ruht oder glimmt 
unmerklich weiter. Die Geschlechtsmerkmale reifen nicht. Erst mit 
der Ausbildung und Festigung des Gesamtorganismus nimmt die 
Hypophysis ihrer aktivierende Funktion auf. Die Inkretion der 
Keimdrüse wird lebhaft. Die Geschlechtsmerkmale wachsen rasch 
bis zur vollendeten Keife. Dieser Keifezustand währt mit indivi¬ 
duellen Schwankungen bis zur Seneszenz. Von da an beginnt der 
Abstieg. Die Hypophysis wird inaktiv. Die Inkretion der Keim¬ 
drüsen setzt nun aus; das ganze endokrine System wird von dem 
Ausfall ergriffen; die Geschlechtscharaktere bilden sich zurück 
und damit ist die Erscheinung der Reife wieder geschwunden“ 
(Steinach und Kun 1928 Nr. 7/8, S. 13). Durch Zufuhr von 
Hypophysenhormon werden aber auch „eunuchoide“ Ratten (das. 
S. 8) fertilund senile Männchen wieder zeugungsfähig (das. S. 11). 
Das Vorderlappenhormon hat auf Kastraten keinen Einfluß, selbst 
nicht bei lange fortgesetzter Behandlung; es wirkt also nicht etwa 
direkt auf die sekundären Geschlechtsmerkmale und den Gesamt¬ 
körper, sondern nur auf dem Umwege über die Keimdrüsen. Das 
Hormon des Vorderlappens kann ebenso vom Stiere wie von der Kuh 
gewonnen werden und hat in jedem Falle auf beide Geschlechter 
denselben aktivierenden Einfluß ohne Geschlechtswandlung, ist also 
nicht ein übergeordnetes Geschlechtshormon (das. 7). 
Reaktivierung der Geschlechtsdrüsen und „Verjüngung“ des 
Gesamtkörpers kann aber durch direkte Behandlung der eigenen 
Keimdrüsen, oder Einsetzung fremder, ebenfalls erreicht werden. 
Allen bisher angewendeten Methoden liegt die „Neubelebung“ der 
alternden Pubertätsdrüse“ zugrunde, mag diese Neuhelebung durch 
Hyperämie infolge Ligatur des Samenstranges, „Vasoligatur“ oder 
Röntgenbestrahlung der Ovarien, Diathermie oder Einsetzung einer 
fremden, aber artgleichen Keimdrüse, „Dauertransplantation , er¬ 
folgen,(St ein ach 1920, 1927; Fraisse 1924; Wilhelm 1922/23; 
Schmidt 1922; Zawadowsky 1926, 235; Klein 1928). Hy¬ 
perämie wird auch durch Ausschaltung der Vasokonstriktoren infolge 
Bepinselung des Samenstrangsympathikus mit Phenol (Doppler 
1925,1927) oder die von artfremden Keimdrüsen während ihres Zu¬ 
grundegehens im Empfänger auf dessen Keimdrüsen hervorgerufene 
Hormonsteigerung erzeugt, woraus sich eventuelle Erfolge solcher 
Heteroplastik (Affe in Mensch -Voronoff 1923, 1924) erklären 
ließen. Junge Hodensubstanz auf senile Meerschweinchen (Cavia —
        

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