Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimental-Zoologie. 6. Zoonomie. Eine Zusammenfassung der durch Versuche ermittelten Gesetzmässigkeiten tierischer Formbildung (experimentelle, theoretische und literarische Übersicht bis einschliesslich 1928)
Person:
Przibram, Hans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38678/206/
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Die fixe Form des Chromatophoren dürfte aber erst im Laufe 
der Entwicklung zustande kommen, denn am eben geschlüpften 
Fundulus werden von den Melanophoren selbst Bewegungen aus¬ 
geführt. Die obere und untere Lage der Melanophoren reagieren 
auf Licht, später aber letztere weniger (Gilson 1926, 415). 
Möglicherweise entstehen während Annahme der fixen Form zuerst 
infolge gleicher Bedingungen immer wieder dieselben Ausläufer 
(Salmo lacustris — Murisier 1921). Außer den Bewegungen der 
Chromatophoren als ganzes und der Körnchenströmung in ihrem 
Innern, kommen für die Farbanpassung noch die Vermehrung oder 
Verminderung der Anzahl auf eine gegebene Fläche entfallender 
Farbbildner und die Vermehrung oder Verminderung der Pigment¬ 
menge als solche in Betracht, welche entweder durch Zu- oder Ab¬ 
nahme des Stoffes oder durch Veränderung seiner Farbe entstehen 
könnte. Wechsel der Chromatophorenanzahl bei lang anhaltender 
Reizung in bestimmter Richtung wurde als Zunahme der Melano- 
phorenanzahl auf dunklem Untergründe (Trutta fario — y. Frisch; 
Paralichthys — Kuntz 1917) als Abnahme auf hellem, und zwar 
namentlich bei Hungern (Salmo lacustris — Murisier 1920, 
149) beobachtet. Abnahme der Pigmentmenge auf weißem, Zu¬ 
nahme auf schwarzem Untergründe war an 25 mm langen, 30 Tage 
alten Seeforellen (S. 1.— Murisier 1920, 45) in zehn Monaten 
deutlich [VIII, 4]. Während die erste Entstehung des Pigmentes 
bei jungen, 11 Tagen alten Hechten (Esox lucius) und künstlich 
besamten Schollen (Pleuronectes platessa — F. Kurz 1920) von 
4en Lichtbedingungen unabhängig schien, trat später bei beiden 
Arten im Dunkel Abnahme des gelben Pigmentes ohne Zunahme 
des schwarzen ein. Bei den Hechten trat Anpassung an weiße, 
schwarze, schwächer an rote und gelbe Pàpierunterlage ein, Blau 
und Grün riefen dunklere, grünliche Färbung hervor; Dunkelheit 
ganz lichte. Bei den Schollen konnte in grüner Beleuchtung das 
gelbe Pigment sich vermehren; schwarzes Pigment wurde in rot, 
Gelb und Grün gegenüber Weiß, Blau und Violett geringer aus¬ 
gebildet. 
Bei kurz dauernder Reizung entstehende Schwarzfärbungen 
von Fischen, wie sie durch Blendung, schwarzen Untergrund, 
Haltung in geringer Beleuchtung, Äthernarkose, Sympathikus- 
durchtrennung erhalten werden, kann offenbar die Anzahl der 
Melanophoren nicht verändert worden sein. Die Melaninmenge 
ist aber gestiegen. Werden Preßsäfte solcher geschwärzten
        

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