Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimental-Zoologie. 6. Zoonomie. Eine Zusammenfassung der durch Versuche ermittelten Gesetzmässigkeiten tierischer Formbildung (experimentelle, theoretische und literarische Übersicht bis einschliesslich 1928)
Person:
Przibram, Hans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38678/175/
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Versuche, die Erblichkeit erworbener Reflexe bei Säugetieren 
nacbzuweisen, schienen bei weißen Mäusen (Pawlow 1923) zum 
Ziele geführt zu haben. Die erste Generation benötigte 300 Be¬ 
lehrungen, um auf einen gegebenen Glockenton zum Putter zu 
eilen, die zweite nur 100, die dritte 30, die vierte 10, die fünfte 5. 
Doch erscheinen die Experimente bei der zunehmenden Zahmheit 
von Tieren, mit denen sich der Mensch intensiv beschäftig, nicht 
einwandfrei und konnten nicht bestätigt werden. Im Irrlabyrinthe 
geprüfte Batten brauchten auch in jeder neuen Generation (zweiten 
bis vierten) wieder dieselbe Zeit zur Erlernung des Ausganges 
(Bagg 1920; Mac Dowell 1924 und Vicari 1922; Vicari 
1924; Sandovnikova 1926). Die positiven Ergebnisse, welche 
durch Erlernung eines Klingelsignales an den Nachkommen von 
Ratten erzielt worden sein sollten (Pawlow 1923), sind später vom 
Autor widerrufen worden (s. 1926). Doch scheint abermals eine 
Verbesserung der Lernerfolge von anderer Seite (Mac Dougall 
1927) beobachtet worden zu sein. 
Scheinbar einander sehr widersprechend sind die Resultate 
der vielen Experimente über den Einfluß von Alkoholisierung der 
Eltern auf die Nachkommenschaft. Der Übergang von Alkohol 
aus der Mutter auf den Fötus ist schon lange (Cavia, Canis — 
Nicloux 1900) nachgewiesen, so daß eine direkte Alkoholver¬ 
giftung und Reaktion der Jungen ohne echte Vererbung möglich 
wäre (vgl. 3, 211). Auch in den Testikeln findet Speicherung 
des Alkohols statt, wobei dann der Samen mehr geschädigt wird, 
als die interstitiellen Zellen (Epimys decumanus — Ko stitch 
1921—1922). Versuchen mit schädlichen Folgen für die späteren 
Generationen (Mus — Nice 1912; Cavia — Stockard 1912, 
1914 und Craig 1914; Papanicolau 1916, 1918), auch bei 
bloßer Verwendung alkoholisierter Männchen (Stockard 1913), 
stehen negative gegenüber (Epimys — Hanson 1923, H. u. Heys 
1924, 1927, Cavia — Pictet 1924, 1925 ; Mus — MacDowell 
und Lord 1927), welche auch in bezug auf das Benehmen der 
Nachkommen keinen Unterschied in der Intelligenz bemerken ließen 
(Epimys — Richter 1926). Bei der Verwertung von Versuchen 
müssen die Effekte der Inzucht (King 1918) und besonders die 
Größen der verabreichten Alkoholdosen in Betracht gezogen 
werden, da geringere stimulierend, große schädigend einwirken 
dürften, Reapparation oder Kontrast je nach dem Maße der Ein¬ 
wirkung auftreten oder aufgehoben werden könnten.
        

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