Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimental-Zoologie. 6. Zoonomie. Eine Zusammenfassung der durch Versuche ermittelten Gesetzmässigkeiten tierischer Formbildung (experimentelle, theoretische und literarische Übersicht bis einschliesslich 1928)
Person:
Przibram, Hans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38678/101/
92 
abgesperrtes Gefäß, nicht aber, wenn diese in ein hermetisch 
geschlossenes Glasgefäß gesetzt worden waren (Lymantria dispar — 
Prüffer 1923,1924. Quarzgefäße wären noch zu prüfen!), Über¬ 
streichen des weiblichen Abdomens mit Kollodium verhinderte 
das Auffinden durch die männlichen Spinner ebenfalls (Bombyx 
quercus — Patijaud 1926). Es sind also wohl die Geruchs¬ 
stoffe der weiblichen Hinterleibsdrüsen und nicht etwa Strahlen, 
welche die Männchen spüren; es wäre sonst auch die starke, 
fiederförmige Ausbreitung der als Geruchsorgane bei den Insekten 
dienenden Fühler gerade an den Männchen der Spinner unver¬ 
ständlich (vgl. 5, Taf. VII, 7). 
Chemische Beziehungen während der Entwicklung der 
Arthropoden, wie wir sie einerseits durch die Chromatinemissionen 
aus den Kernen niederer Tiere, anderseits durch die Wirksamkeit 
innersekretorischer Drüsen bei den Wirbeltieren kennen, sind bei 
Arthropoden noch so gut wie unbekannt. Auf chemische Funktion 
des Kernes läßt vielleicht die freilich nicht weitgehende Furchung 
des parthenogenetischen Eies des Sackspinners (Phragmatobia 
fuliginosa — Seiler 1923) ohne Fragmentierung des Kernes 
schließen [V, 14]. 
Wahrscheinlicher Einfluß von Keimdrüseninkreten auf die 
sekundären Geschlechtsmerkmale konnte (vgt. 5, 81) bisher nur 
in der Abhängigkeit der Brutsackbildung vom Ovar bei der 
Wasserassel (Asellus aquateus — Haemmerli-Boveri 1926) 
experimentell nachgewiesen werden. An Dekapodenkrustazeen ist 
Kastration schon wegen des starren Panzers schwierig, weil leicht 
zu Verbluten führend (Potamobius — Stamati 1888; Gela- 
simus — Przibram 1917). Einbringen von Ovarial- bzw. 
Testikelstücken in Winkerkrabben [V, 2 a] entgegengesetzten 
Geschlechtes modifizierte die geschlechtlich stark differenten 
Scherenverhältnisse nicht (Gelasimus — Morgan 1920, 220). 
Mehr minder weitgehende Entwicklungsverschiebungen, von dem 
Charakter eines Geschlechtes gegen das andere, sind gewissen 
Kreuzungen (vgl. 5, 54) eigen (Lymantria dispar — Gold¬ 
schmidt und Poppelbaum 1914; Goldschmidt 1920 I, 
1922, 146, 1923, 1927; Drosophila — Bridges 1925), aber 
auch durch äußere Faktoren, wie Temperaturerniedrigung (L. d. — 
Goldschmidt; Stilpnotia salicis — Kosminskij 1924; Apis 
mellifica — Bösch 1928) sowie auch Erhöhung (L. d. — E m e 1- 
janoff 1924) oder Schockwirkung auf die Puppe (div. sp. —
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.