Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimental-Zoologie. 4. Vitalität. Eine Zusammenfassung der durch Versuche ermittelten Gesetzmässigkeiten tierischer Lebenszustände (Kolloidform, Wachstum, Bewegung)
Person:
Przibram, Hans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38677/74/
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Lebensgrenzen. 
Grenzen dadurch bald zu kompensieren imstande sind, daß sie 
eine Verschiebung des Wassers und der Salze durch ihre Mem¬ 
branen vornehmen, so daß der innere osmotische Druck nur 
wenig vom äußern abweicht (Asteriden, Aplysia, Octopus, Si- 
punculus, Carcinus — Quinton 1900), soll bei Knorpelfischen 
bloß eine Verschiebung des Wassers, nicht aber ein Austreten 
von Salzen möglich sein (Fredericq 1891), während Knochen¬ 
fische des Seewassers einen nur halb so hohen Druck als dieses 
hätten. Diesen Angaben stehen aber andere Versuche gegenüber, 
nach welchen Petromyzonlarven, Sterlete ( Acipenser ruthenus), 
Hechte (Esox lucius), Karauschen (Carassius vulgaris) und 
Karpfen (Cyprinus) für Wasser und Salze durchgängige Kiemen 
besitzen und bei Übertragung in Seewasser ( einer Konzentration 
mit Gefrierpunkt — 1°) zugrunde gehen. Bloß der Aal zeigte für 
Salze, aber auch für Wasser un durch gängige Kiemen (Neu¬ 
dörfer 1907). Unabhängig vom äußern osmotischen Druck 
sind die Wirbeltiere, z. B. die Seeschildkröte, Thalassockelys, da 
ihre Bedeckung weder Wasser noch Salz durchlassen (Quinton 
1904); unter den Krustazeen ist der Flußkrebs durch einen weit 
über dem Aufenthaltswasser liegenden innern osmotischen Druck 
ausgezeichnet (Frédéricq 1899). 
4. Mechanische (Molare) Agentien. 
Ebenso wie der osmotische oder der veränderte Atmo¬ 
sphärendruck durch Zerreißung der Membranen eine Vernich¬ 
tung der Lebensfähigkeit mit sich bringen (in bezug auf Luft¬ 
druck sei an die Kaisson- und Bergkrankheit erinnert), so sind 
auch die Grenzen für mechanischen oder molaren Druck und 
Zerschneidung dann gezogen, wenn die Teile des Tieres derart 
auseinandergebracht (vgl. Kap. III und die zwei ersten Bände 
Exp. Zool.) oder mit dem Außenmedium vermischt wurden, daß 
der Stoffwechsel nicht mehr normal vor sich zu gehen imstande ist. 
Denselben Effekt dürften fortgesetzte Erschütterungen haben, 
wenn auf Eisenbahnfahrten mitgenommene Hühnereier zunächst 
sich entwicklungsunfähig zeigten, später sich zum Teil jedoch 
erholten (Dareste 1891, S. 569). 
5. Schwerkraft. 
Auch nicht anders als durch eine Erhöhung des im Innern 
der Tiere herrschenden Druckes ist es zu erklären, daß dauernd
        

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