Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimental-Zoologie. 4. Vitalität. Eine Zusammenfassung der durch Versuche ermittelten Gesetzmässigkeiten tierischer Lebenszustände (Kolloidform, Wachstum, Bewegung)
Person:
Przibram, Hans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38677/132/
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Energie (Kraftwechsel). 
dann wieder in mechanische und Wärme umgewandelt würde. Es 
wäre möglich, daß gewisse im Körper vor sich gehende Dissimi¬ 
lationsprozesse derart endotherm unter Verwandlung der Wärme 
in „Formbildungsenergie“ verlaufen, daß dann bei der Assimi¬ 
lation, welche unter Formausbildung exotherm vor sich geht, 
wieder die gleiche Menge „Formbildungsenergie“ in Wärme sich 
umwandelt, was in der Gesamtbilanz nicht zum Ausdruck käme. 
Es läßt sich jedoch nichts dafür anführen, daß diese Form¬ 
bildungsenergie mit einer eventuellen nervösen oder gar psychischen 
Energie als physiologische Energie identifiziert werden müßte. 
Die nervösen Vorgänge stellen sich der Größenordnung ihrer 
Fortpflanzungsgeschwindigkeit nach als Diffusionsströme dar 
(Lasareff 1910); auch läßt sich der Verlauf der nervösen 
Reaktionen am besten nach dem Schema eines Energiereservoirs 
verstehen, von dem aus Ströme mit verschiedenem Gefälle und 
verschiedener Breite ausgehen (v. Uexküll, Jordan, vgl. 
Matula 1911). 
Hingegen haben die begleitenden elektrischen Erscheinungen 
nichts mit dem Wesen der Nervenleitung selbst zu tun, da die 
Geschwindigkeit der elektrischen Ströme weitaus jene der Nerven¬ 
leitung übersteigt, ja von ganz anderer Größenordnung ist. 
Verschiedenheiten im elektrischen Potentiale treten fast 
überall auf, wo eine kontinuierliche Bildung plötzlich unter¬ 
brochen wird, und verschwinden wieder mit der Wiederherstellung 
des ursprünglichen Gleichgewichtszustandes; dies gilt ebenso für 
die Nervenerregung nach Durchschneidung oder sonstige Reizung 
wie für Verwundung und Regeneration. Meines Erachtens läßt 
sich daher der elektrische Strom ebensowenig für die Nerven¬ 
erregung als für die Formbildung verantwortlich machen, wie 
letzteres neuerdings — ausgehend von Versuchen am regenerie¬ 
renden Entenschnabel (Herl it zk a 1910) — geschehen ist. 
Das Entstehen solcher Ströme ist durch den Fortschritt 
der Kolloidchemie verständlich gemacht und experimentell nach¬ 
geahmt worden. 
„Ein Säureeiweiß enthält große, schwer bewegliche positive 
Proteïnionen neben den leicht wandernden Säureionen. Lassen 
wir es also gegen ein indifferentes Lösungsmittel, wie Wasser 
grenzen, so wird das Eiweiß eine positive Ladung annehmen, 
während das angrenzende Medium durch die vorauseilenden 
Säureionen aufgeladen wird. Säure und Säureeiweiß verhalten
        

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