Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimental-Zoologie. 3. Phylogenese. Eine Zusammenfassung der durch Versuche ermittelten Gesetzmäszigkeiten tierischer Art-Bildung (Arteigenheit, Artübertragung, Artwandlung)
Person:
Przibram, Hans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38676/241/
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Die Umformung der Tierwelt durch äußere .Faktoren. 
Obzwar, oder vielmehr gerade weil ihre Merkmale auf die 
Nachkommen unverändert übergehen können, erscheint es frag¬ 
lich, ob es sich hier um ein erstmaliges Auftreten und nicht 
um ein Spaltungsprodukt aus einer Kreuzung handelt. 
Auf Grund der vorstehend mitgeteilten Versuche über die 
Vererbung erworbener Eigenschaften dürfen wir aber wohl sicher 
sein, daß gerade bei dem Neuauftreten von Rassenmerkmalen in 
Beziehung zur Außenwelt graduelle Übergänge Vorkommen, und 
bei Fortwirken des Faktors auf mehrere Generationen Kumu¬ 
lativer Effekt eintritt (vgl. Przibram 1908 Anwendung elemen¬ 
tarer Mathematik, Kapitel VIII). Es soll im folgenden versucht 
werden, ein Bild davon zu entwerfen, wie die äußeren Faktoren, 
welche entsprechend dem Vorgänge in der „Embryogenese“ in 
die 8 Gruppen nach Davenport eingereiht werden, an der Um¬ 
formung der Tierwelt teilnehmen. Bei jedem Faktor wird seine 
Einwirkung auf ajmorphologische Art-Charaktere, b) pathologische 
Defekte, c) psychologische Funktionen berücksichtigt. 
1. Chemische Agentien. 
a) In eine Fauna wird ein neuer Bazillus eingeschleppt. 
Infolge ihrer verschiedenen stofflichen Beschaffenheit werden die 
verschiedenen Tierarten in verschiedener Weise von ihm affiziert 
werden. Alsbald erwirbt aber der Organismus des befallenen 
Tieres die Fähigkeit, daß er den schädlichen Keimen oder ihren 
Giftstoffen Widerstand zu leisten vermag, oder, wie man sich 
jetzt auszudrücken pflegt, es tritt Immunität ein. Diese Immunität 
kann nicht bloß durch die Mutter (Versuche an Vögeln), sondern 
auch durch den Vater auf die Nachkommen übergehen (Versuche 
an Kaninchen). Niemals ist dieselbe aber eine absolute: denn 
nunmehr vermag auch wieder der Krankheitserreger sich gegen 
den Untergang im Wirtstiere zu schützen, indem nach Passage 
in relativ giftfestgewordenen Stämmen Keime mit der höchsten 
Giftwirkung zum Vorscheine kommen, oder, um wieder das ge¬ 
bräuchlichste Wort zu nehmen, es erhöht sich die Virulenz. Und 
diese Keime mit erhöhter Virulenz pflanzen sich erblich auch 
bei Kultur auf weniger reaktionsfähigen Wirten fort (arzneifeste 
Stämme der Trypanosomen bei Mäusen). 
b) Die infizierten Wirte verfallen schweren Degenerationen, 
die sich auch bei ihren Nachkommen geltend machen; ähnlich 
wirken andere Gifte (Kaninchenversuche; Meerschweinchen?).
        

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