Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimental-Zoologie. 2. Regeneration. Eine Zusammenfassung der durch Versuche ermittelten Gesetzmässigkeiten tierischer Wieder-Erzeugung (Nachwachsen, Umformung, Missbildung)
Person:
Przibram, Hans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38675/79/
Würmer (Vermes). 
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Morgulis (1907 Inheritance) benutzte alle diese Ver¬ 
hältnisse zu einer interessanten Studie über das Beharren der 
einer Körperregion zukommenden Regenerationsgüte : er zerschnitt 
eine größere Anzahl Thinodrilus in gleichgroße mehr vorne ge¬ 
legene (A) und mehr hinten gelegene (2?) Stücke; erstere erzeugten 
durchschnittlich 4’4 neue hintere Segmente auf ein altes, wenn 
die letzteren bloß 2*1 gebildet hatten. Nach 14 Tagen wurden die 
neuen Schwänze abgeschnitten und regenerierten Köpfe (Partie a 
und h analog A und B bezeichnet). 
Einige Zeit darauf wurde diesen Partien abermals der 
Schwanz amputiert und nach 14 Tagen hatten die «-Stücke 0T1, 
die fr-Stücke 0-06 Segmente durchschnittlich neugebildet. Das 
heißt aber nichts anderes, als daß das neue Verhältnis der 
Regenerationsgeschwindigkeit von a:b— 1*8 dem alten A : B— P7 
überraschend gleich geblieben war, also die neuen Würmer, 
welche aus regenerierten Köpfen und ebensolchen Schwänzen be¬ 
standen, den Regenerationsrhythmus der Körperregion, der sie 
an den ursprünglich verwendeten Würmern entstammten, beibe¬ 
halten hatten. 
Licht ist für die Regeneration der Würmer entbehrlich; 
auch die Augen werden bei Lichtabschluß wiederzeugt*). Röntgen¬ 
strahlen verhindern Regeneration bei Planarien, obzwar die be¬ 
strahlten Tiere lange lebten (Bardeen und Baetjer 1904). 
Durch Wärme wird die Wurmregeneration wie alle Lebensprozesse 
beschleunigt. Schon Bonnet (1779) erhielt im Sommer Lunibri- 
culusköpfe in 2—3, im Winter erst in 10—12 Tagen, Haase 
(1899) Tubifexköpfe im Frühjahr und Herbst in 12 —14, im 
Winter in 1(3—18, Schwänzein 7—9 beziehungsweise 10—12 Tagen. 
Örley (1887) fand im Herbste mehr regenerierte Criodrilus als 
im Frühjahre. Hescheler (1896) bewies durch Versuche im 
Thermostaten, daß die Temperatur tatsächlich der beschleunigende 
Faktor ist, wobei für Allolobophora foetida bei 30° G das Optimum 
erreicht wurde. Auch Planarien regenerieren rascher bei höherer 
Temperatur (Flexner 1898). 
§ 9. Die Polarität, welche sich in der Ausbildung eines 
Kopf- und Schwanzendes bei den Würmern, in der Regel auch 
bei bloßen Einschnitten (Planarien — Johnson 1825, Vogt 
*) R. Hesse, Das Sehen der niederen Tiere. Erweiterte Bearbeitung 
eines auf der 79. Vers, deutsch. Naturf. und Ärzte geh. Vortrages. Jena 
Fischer 1908.
        

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