Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimental-Zoologie. 2. Regeneration. Eine Zusammenfassung der durch Versuche ermittelten Gesetzmässigkeiten tierischer Wieder-Erzeugung (Nachwachsen, Umformung, Missbildung)
Person:
Przibram, Hans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38675/203/
Wirbeltiere ( Vertebrat* ). 
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selbst den schlechten Zustand für langsame Regeneration verant¬ 
wortlich. 
Die Zuwachsgröße in gleicher Zeit ist bei ein und demselben 
Gebilde verhältnismäßig lim so größer, je mehr von diesem 
abgeschnitten wurde. So wachsen Haare um so schneller, 
je höher sie abgeschnitten wurden (Canis, Lepus, Felis, Sus — 
Stroganow 1889). Der Schwanz des Diemyctylus regenerierte 
rascher von der Basis als weiter distalwärts (Morgan 190b, 
Physiology). Nach Spallanzani (1769) wird von Triton eine 
Zehe in derselben Zeit wie ein ganzer Fuß ersetzt, nach Hines 
( 1905) von Diemyctylus die im Knie entfernte Extremität ebenso 
rasch wie die knapp am Becken amputierte der Gegenseite des¬ 
selben Versuchsexemplares, und zwar ohne Rücksicht auf Durch - 
schneidung von Blutgefäßen und einigen, aber nicht allen Nerven. 
Bei Goldfischen geht die Regeneration an der Basis der Schwanz¬ 
flosse energischer vor sich als mehr distal (Suwarow 1904). 
Morgan (1900 Telcosts) variierte die Schnittführung an der 
ganzrandigen Schwanzflosse des Fundulus [XI, 8 a], an den 
schwalbenschwanzförmigen des Stenopus chrysops und Decapterus 
macrella, den unten weiter vorragenden des Menticirrhus saxa- 
tilis und fand ein rascheres Wachstum an jenen Teilen, die eine 
größere Länge zur Wiederherstellung der normalen Form vor 
sich hatten. Spätere Versuche desselben Forschers mit Führung 
mehrerer Schnitte am Schwänze des Fundulus [XI, 8 a], ferner 
an Menidia notata (Morgan 1902 Fishes) und am Goldfische 
(Carassius auratus — Morgan 1906 Physiology) [XI, 10 hl— 
cL—e2, r/L—r/2] bestätigten diese Regel. Die charakteristische 
Schwalbenschwanzform wird dabei viel früher angelegt, als es 
für die Erreichung der normalen Größe notwendig wäre. Es er¬ 
folgt zunächst basale Proliferation, dann aber werden die Spitzen¬ 
teile angelegt und von dieser Zeit ab wachsen die mehr basal 
liegenden Stümpfe bei geradem, querem Abschnitte an derselben 
Fischart (Fundulus majalis, heteroclitus und Carassius auratus) 
rascher als die distalen. Fundulus ist zu diesen Versuchen geeig¬ 
neter als der Goldfisch, weil sein Schwanz ganzrandig ist, daher 
die Komplikation der Schwalbenschwanzeinbuchtung wegfällt. Es 
macht nun für die Regenerationsgeschwindigkeit keinen Unter¬ 
schied, ob ein querer Schnitt ganz durchgeführt oder ein Teil 
der Flosse oben, unten oder in der Mitte bis zu einer distaleren 
Schnittfläche stehen gelassen war.
        

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