Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Experimental-Zoologie. 1. Embryogenese. Eine Zusammenfassung der durch Versuche ermittelten Gesetzmäszigkeiten tierischer Ei-Entwicklung (Befruchtung, Furchung, Organbildung)
Person:
Przibram, Hans
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38674/80/
Entwicklungsmechanik der Differenzierung. 
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aus, der keine entodermalen Organe mehr enthält. Bei diesen 
aus der Eihülle schlüpfenden Ascidienlarven ist dann die früher 
mehrschichtige Chordaanlage in eine einreihige Anordnung über¬ 
gegangen. 
Chabry (1887) experimentierte zuerst durch Anstechen mit 
feinen Glasnadeln sowie mit anderen komplizierteren Instrumenten 
an Ascidiella aspersa. Wurde eine Blastomere des Zweizellen¬ 
stadiums durch Anstich getötet, so lieferte die andere trotzdem 
einen kleinen Embryo, der im allgemeinen die Form eines ganzen 
aufwies, dem aber einzelne Organe, wie Auge, Otolith, Haft¬ 
papillen fehlen konnten [XIV, 8]. Der Deutung dieser Gebilde 
als „Halbbildungen“ trat Driesch entgegen, da ja nicht etwa die 
rechte oder linke, vordere oder hintere Hälfte des Embryos fehle, 
sondern bloß einzelne Organe untergeordneter Bedeutung. Driesch 
(18951) prüfte die Versuche an Phallusia mammillata nach und 
fand, daß keine Beziehung der Schädigung eines bestimmten 
Blastomeres zu den auftretenden Defekten stattfand [XIV, 9]. 
Zudem war die Furchung meist von vornherein die einer ver¬ 
kleinerten Ganzfurchung, nicht eine offene Bruchstückfurchung; 
in jedem Falle ist der achtzellige Haufen, dann die Morula 
kompakt und die Gastrula eine typische Gastrula (keine Semi- 
gastrula). Der Embryo besitzt wie normal eine mehrschichtige, 
später einschichtig werdende Chorda. „Ein Augenfleck ist fast 
stets da, ein Otolith sehr selten, beide bleiben jedoch im Ver¬ 
gleiche zu Bildungen normaler Larven gleichsam rudimentär, 
Haftpapillen werden ebenfalls höchst selten und auch dann meist 
in der Einzahl, selten in der normalen Dreizahl beobachtet.“ 
Driesch führt die Defekte auf allgemeine Schädigung bei der 
Operation, die in Zuschneiden oder Schütteln bestand, zurück 
und erzielte ganz dieselben Defekte, wenn er die normalen ganzen 
Eier einige Zeit dem direkten Sonnenlichte aussetzte oder deren 
sehr viele in ein kleines Glas mit verunreinigtem Wasser brachte. 
Crampton (1897) stimmt nach Versuchen an Molgula manhatten- 
sis der Deutung Drieschs zu. 
Allein Conklin (19051-3, 1906) konnte nicht nur an Cynthia 
(Styela) partita und Molgula manhattensis eine typische „ Mosaik“- 
Entwicklung feststellen, sondern sah auch keine spätere Regulation 
der aus oder i-Embryonen gezogenen Halb- respektive Viertel¬ 
larven zu Ganzbildungen eintreten. Es scheint daher Chabry recht 
zu behalten.
        

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