Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur experimentellen Psychologie, Heft 3: Neue Grundlegung der Psychophysik
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38671/38/
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er schmerzhaft wird, und bei der nun alle Muskeln so ge- 
spannt werden, als müsse der Körper dem übermächtigen 
Einfluss gegenüber alle Kräfte sammeln. 
Nun wirkt keines dieser Momente isoliert; in weit¬ 
reichender Koordination passen sich die Spannungen in ver¬ 
schiedenen motorischen Zonen aneinander an und strahlen 
gewissermassen über. Insofern aber die Kopfhalsmuskulatur 
bei Sinnesorganeinstellung, bei Kopffixierung, bei Lokalisation 
und bei Atmungsregulierung Einfluss hat, ist vornehmlich 
ihre Thätigkeit im Mittelpunkt des gesamten Gefüges unserer 
Spannungsempfindungen und dieselbe wächst, wenn irgend 
eines der anderen Muskelsysteme zu wachsender Arbeit ge¬ 
langt. Gerade das unterliegt nun freilich grossen individuellen 
Schwankungen; es gibt Menschen, bei denen die mit dem 
Reiz wachsende Spannungsempfindung ganz besonders von 
Schulter und Oberarm auszugehen pflegt, andere, bei denen 
die Empfindungen der Brustmuskulatur im Mittelpunkt zu 
stehen scheinen, während bei den meisten der Hinterkopf und 
angrenzende Gebiete besonders beteiligt erscheinen. Dass 
wir uns im gewöhnlichen Leben bei der Unzahl auf uns 
gleichzeitig einwirkender Reize von verschiedenster Intensität 
der begleitenden, zum Teil sich aufhebenden Spannungen nicht 
bewusst werden, versteht sich von selbst, genau so, wie wir 
ja auch die aller Lokalisation zu Grunde liegenden Be¬ 
wegungsempfindungen nicht als solche wahrnehmen. So wie 
wir dem qualitativen Eindruck durch die psycho¬ 
physisch bedingte Verbindung mit bestimmter Be¬ 
wegungsempfindung einen bestimmten Lokal wert 
geben, so geben wir dem qualitativen Eindruck durch 
die ebenfalls psychophysisch notwendige Verbin¬ 
dung mit bestimmter Spannungsempfindung den be¬ 
stimmten Intensitätswert. 
Das sei nicht missverstanden. Würde die begleitende 
Bewegungsempfindung fehlen, so würde die Reizquelle nicht 
verschwinden und die Reize würden nicht, wie man zuweilen
        

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