Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur experimentellen Psychologie, Heft 3: Neue Grundlegung der Psychophysik
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38671/29/
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sächlich eine Zeitstrecke an einer anderen. Und derselbe 
Weg führt uns zum Messen der Masse; auch hier ist der 
objektive, den Wert ins Räumliche übertragende Massstab 
nur die nachträgliche Ergänzung zu dem primären Gewichts¬ 
masse der subjektiven Vergleichung. Wenn wir zwei Ge¬ 
wichte nacheinander heben und einen deutlichen Gewichts¬ 
unterschied wahrnehmen, so würden wir die Wagschale für 
unzuverlässig erklären, welche für beide gleiches Gewicht 
angibt. 
Dass wir Raumgrössen untereinander, Zeitstrecken unter¬ 
einander und Gewichte untereinander in unmittelbarer sub¬ 
jektiver Schätzung vergleichen können, das ist die Grundlage 
unserer gesamten physikalischen Massmethoden; ohne diese 
subjektive Fähigkeit wären alle objektiven Mass- 
instrumente für uns so sinnlos, wie ein Mikroskop 
wertlos wäre ohne Auge. Weit entfernt also, die drei 
Schätzungen auf eine reduzieren zu dürfen, müssen wir viel¬ 
mehr diese Dreiheit als eine durchaus ursprüngliche aner¬ 
kennen und müssen uns vergegenwärtigen, worin nun eigent¬ 
lich in diesen drei Fällen das Messen besteht. 
Vir haben schon gesehen, dass es sich stets darum 
handelt, die zweite Wahrnehmung mit der reproduzierten 
Vorstellung der ersten Wahrnehmung zu vergleichen, aber 
wie dabei das eigentliche Messen zu stände kommt, ist damit 
natürlich noch nicht gesagt. Die übliche Auffassung, die 
auch v. Kries wiederholt, ist die, dass alle Messung auf der 
Gleichsetzung des Nichtidentischen beruhe. Ich kann den 
Ausdruck und die zu Grunde liegende Vorstellung nicht gut¬ 
heissen; ich glaube vielmehr, dass es sich da um eine Auf¬ 
fassung handelt, die der Schulsprache einer abstrakten Logik 
entnommen ist, die aber durchaus keinen wirklichen psycho¬ 
logischen Vorgang bezeichnet. Wollen wir nicht ganz in die 
Metaphysik geraten, so können wir uns darunter, dass unser 
Bewusstsein zwei nicht identische Bewusstseinsobjekte „gleich- 
setzt‘‘, in keiner Weise einen bestimmten psychologischen
        

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