Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur experimentellen Psychologie, Heft 3: Neue Grundlegung der Psychophysik
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38671/24/
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im Sinne einer Addition absprachen, dass also die stärkere 
Empfindung nicht gleich der schwächeren Empfindung plus 
einem Zuwachs war, sondern beide völlig verschiedene Be¬ 
wusstseinsinhalte sind, genau so wie zwei qualitativ verschie¬ 
dene Empfindungen. Es wäre damit die Trennung zwischen 
qualitativem und intensivem Unterschied aufgehoben, die 
Messbarkeit der Empfindungen und Empfindungsunterschiede 
wäre beseitigt. Wir behaupten nun, dass dieser letzte Schluss 
übereilt sei, dass, obgleich auch die intensiv verschiedenen 
Empfindungen an sich nur qualitative Verschiedenheit auf¬ 
weisen, dennoch eine Messbarkeit vorliegt und eben damit 
die fundamentale Differenz zwischen den reinen Qualitäts¬ 
und den Intensitätsunterschieden gegeben ist. Wir müssen 
zu dem Zweck uns orientieren, worin denn eigentlich auf 
den übrigen Gebieten des praktischen Lebens und 
der Wissenschaft unser Messen und Zählen besteht, 
um dann zu prüfen, ob dieselben Bedingungen auch bei der 
behaupteten Empfindungsmessung vorliegen. Die eingehendste 
Behandlung dieser Frage hat bekanntlich v. Kries geliefert: 
sein zu negativem Resultat führender Gedankengang kehrt 
im allgemeinen bei allen prinzipiellen Gegnern der Fechner- 
schen Psychophysik wieder und seine Argumente vor allem 
hat Wundt widerlegen müssen, als er die Empfindungsmess¬ 
barkeit verteidigte. Da uns hier beide Seiten nicht völlig im 
Recht zu sein scheinen, müssen auch wir von jenen bisher 
bevorzugten Gegengründen gegen die Messbarkeit der Empfin¬ 
dungen ausgehen. 
v. Kries1) zeigt, dass Messung stets auf der Gleich¬ 
setzung des Nichtidentischen beruht, dass es für die theore¬ 
tische Messbarkeit in irgend einem Gebiet also darauf ankommt, 
ob die Gleichsetzung zweier nicht identischer Stücke zulässig 
ist und einen bestimmten Sinn hat. Unter diesem Gesichts¬ 
punkt betrachtet v. Kries die Messung von Raum, Zeit. 
v. Ivries, A. a. O. S. 257 ff.
        

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