Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur experimentellen Psychologie, Heft 3: Neue Grundlegung der Psychophysik
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38671/131/
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psychisches Korrelat der zum Gehirn gelangenden Nerven¬ 
erregung. 
Nur in einer Beziehung schien dennoch das Bewusstsein 
gegenüber dem Bewusstseinsinhalt, den Empfindungen frei¬ 
schaltend thätig: die Schätzung der Empfindungsunterschiede. 
Mag jede Empfindung und Empfindungsänderung auch phy¬ 
sisch bedingter Bewusstseinsinhalt sein; die Beurteilung, wie 
weit die Empfindungen voneinander abliegen, ob die Di¬ 
stanzen gleich sind oder nicht, das kann unmöglich selbst 
wieder Bewusstseinsinhalt sein, das ist Funktion des Bewusst¬ 
seins. Wer, wie unsere Theorie es will, das Bewusstsein 
ohne aktive Leistung auf die passive Wahrnehmung des ge¬ 
botenen Inhaltes beschränkt, der hat in der That die Pflicht, 
sich darüber auszusprechen, wie denn nun die Unterschieds¬ 
messung zwischen verschiedenen Empfindungen möglich 
sein soll. 
Die dargestellten Experimente über Vergleichung von 
Reizpaaren in disparaten Sinnesgebieten haben nun ein ent¬ 
scheidendes Wort gesprochen. Sie lehrten, dass solche, bis¬ 
her nie versuchte Vergleichung in exaktester Weise möglich 
ist. Wir haben hier nicht zu resümieren, was diese Ver¬ 
gleichung uns alles leistet und was sie versprach, nur das 
ist uns hier entscheidend, dass sie zu energischem Bruch mit 
der üblichen Auffassung führen musste, denn unmöglich können 
wir glauben, zwei gleiche Empfindungsdifferenzen vor uns zu 
haben, wenn wir den Unterschied zweier Lichtstärken dem 
Unterschied zweier Schallstärken gleich empfanden. Wir 
mussten vielmehr einsehen, dass der Unterschied zwischen 
den Empfindungen selbst hier nicht in Frage kommen kann, 
da sonst ein Lichtempfindungsunterschied stets nur gleich 
einem Lichtempfindungsunterschied sein könnte, dass viel¬ 
mehr ein anderer Faktor hinzutreten muss, der den Ueber- 
gang von einer Empfindung zur anderen bei beiden Reiz¬ 
paaren in gleicher Weise begleitet. 
Eine grosse Reihe konvergierender Thatsachen bewies
        

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