Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plutarch über das archaische und klassische Zeitalter der griechischen Musik
Person:
Westphal, Rudolph
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38660/90/
Erläuterungen. 
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noch ein g vorangesetzt. Dies kann nach Massgabe der im Voraus¬ 
gehenden gewonnenen Thatsachen keine andere Bedeutung haben als 
diese, dass wenn man über den Schlusston der dorischen Melodie («) 
noch weiter in die Tiefe geht (also bei einem als gewöhnliche Form 
voraussetzenden plagalischen Baue der Melodie), dass dann der Ton g 
zugelassen wird., trotzdem dass die strenge Norm der Enharmonik die 
Auslassung desselben erfordern würde. In gleicher Weise fanden wir 
ihn auch im Phrygischen und Mixolydischen beibehaltèn. Uebertragen 
wir nun die von Aristides angegebene dorische Scala auf das hepta- 
chordische Synemmenon-System, auf welchem in älterer Zeit die dori¬ 
schen Melodieen ausgeführt wurden, so ergiebt sich Folgendes: 
e e f g a ab (c\ d 
2 3 4 5 6 \7J 1 
Es ist mithin in den enharmonisch-dorischen Melodieen das tiefere 
Tetrachord des Systèmes genau dasselbe wie in den enharmonisch- 
phrygischen Melodieen. So fehlt denn den ersteren nicht wie wir 
oben der allgemeinen Norm zufolge annehmen mussten, zugleich die 
Quarte und Septime, sondern bloss die Septime, — und ebenso fehlt 
den letzteren nicht zugleich die Prime und Quinte, sondern bloss die 
Quinte. Das ist wenigstens der Fall, wenn die dorische und phrygische 
Melodie in der Quinte schliesst (also beim eigentlichen Dorisch und 
Phrygisch im Gegensatz zum Hypodorischen und Hypophrygischen). 
Und ebenso fehlt auch dem Hypophrygischen, dem Syntonolydischen, 
dem Mixolydischen immer nur der eine von den beiden Tönen, welche 
nach der abstracten Norm der Enharmonik ausfallen sollen, nicht aber 
der andere. 
In sämmtlichen enharmonischen Scalen findet also nur in dem 
oberen Tetrachorde des Systèmes (sei es dem Diezeugmenon- oder dem 
Synemmenon-Tetrachorde) die enharmonische Auslassung des auf das 
Pyknon folgenden diatonischen Tones (der naçarfjTrj dœ'Çevygévcov oder 
ovvrinfiévav) statt, nicht aber in dem unteren Tetrachorde (gécrav), denn 
hier bleibt der auf das Pyknon folgende Ton (h%avog diaxovog). Nach 
Aristoxenus Darstellung pag. 9, 7 wurde Olympus durch zufälliges Aus¬ 
lassen gerade der fo/ctvog ôuxtovoç auf die Erfindung des Enharmonions 
geführt. Ist dies nicht ein Widerspruch mit jener Thatsache? Wir 
müssen dies verneinen. Denn sofort setzt Aristoxenus hinzu: xal
        

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