Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Plutarch über das archaische und klassische Zeitalter der griechischen Musik
Person:
Westphal, Rudolph
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38660/3/
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Plutarch über die Musik. 
Sätze in ihrem Zusammenhänge verstehen und sich über den Inhalt des 
Ganzen Rechenschaft geben, so treten ihm unübersteigliche Hindernisse 
entgegen, wenn er, wie er zunächst nicht anders kann, an der durch die 
Handschriften überlieferten Ordnung der Capitel und Capitelabschnitte 
festhält. Nimmt der Leser die vorliegende Textesausgabe zur Hand, 
und liest er hier das mit Seite 27 u. 28 bezeichnete Blatt vor dem mit 
25 und 26 bezeichneten Blatte, so hat er für jene Capitel den zusammen¬ 
hangslosen Text der handschriftlichen Ueberlieferung vor sich. Liest 
er dagegen die einzelnen Blätter in der Reihenfolge der vorliegenden 
Ausgabe, so wird ihm hier Alles, auch ohne dass erden Commentar 
zu Rathe zieht, in vollem Zusammenhänge erscheinen. Es ist hier näm¬ 
lich, wie er alsbald erkennen wird, die Rede davon, was dazu gehöre, 
um ein xqaatoç in der Musik zu sein: wie man zu einem ausgebildeten 
Urtheile über den Kunstwerth sowohl der musikalischen Aufführung 
wie der Composition gelangen könne. Dazu gehört zweierlei, wie der 
Berichterstatter sagt, den Plutarch hier excerpirt hat. Einmal ist es 
nothwendig Ohr und Sinn zu gewöhnen an das gleichzeitige Auffassen 
der die Melodie und Harmonie bildenden Töne, des die Töne sondern¬ 
den und ordnenden Rhythmus und des durch Töne und Rhythmus dar¬ 
gestellten poetischen Textes. Es ist dies mit einem Worte die „aws/sia 
Twv trjg (xovacxrjg /xeçav,“ das alte unzertrennliche Band von Harmonik, 
Rhythmik und poetischem Verse. Ferner aber ist es nothwendig, 
immer das q&oç im Auge zu haben, welches durch Harmonik, Rhythmik 
und poetischen Vers erreicht werden soll. Dies y&og ist das letzte Ziel, 
für welches Virtuosen, Componisten und Dichter arbeiten; wer blos 
das Technische der musischen Kunst im Auge hat, ohne sich jenes y&og 
bewusst zu sein, wird auf den Besitz der xçiTtxrj ràv èv [xovcrixij keinen 
Anspruch machen können. 
Dies ist im Allgemeinen der Inhalt jener in Rede stehenden Partie 
des Plutarchischen Werkes,' und die vorläufige Darlegung desselben 
wird, denke ich, genügen, um einem Jeden die Zustimmung für die 
von mir vorgenommene Umstellung abzugewinnen, die dann unmittel¬ 
bar zu der Ueberzeugung führt, dass in einer älteren Handschrift, aus 
der sämmtliche uns erhaltene Codices geflossen sind, auf jeder Seite 
ohngefähr 26 oder 27 der in meiner Ausgabe. enthaltenen Zeilen ge¬ 
standen haben, und dass ferner in jener älteren Handschrift ein Blatt 
von zusammen 54 Zeilen von seiner ursprünglichen Stelle losgegangen 
und dann an eine unrichtige Stelle, nämlich ein Blatt vorher, welches 
ebenfalls dieselbe Zeilenzahl enthielt, wieder eingelegt worden ist. In
        

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