Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Lehre von den Tonempfindungen als physiologische Grundlage für die Theorie der Musik. Dritte umgearbeitete Ausgabe
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit3865/87/
Einfluss der Partialtöne beim Mittönen. 
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leicht erkennen, auf welchen ihrer Töne die Membran geantwortet 
hat. Ein Sänger, der die Töne der Membran gut zu treffen weiss, 
kann leicht aus der Ferne her den Sand nach Belieben in diese oder 
jene Anordnung bringen, indem er nur die betreffenden Töne kräf¬ 
tig angiebt. Doch werden im Allgemeinen die einfacheren Fi¬ 
guren der tiefen Töne leichter erzeugt, als die zusammengesetzten 
der höheren. Am leichtesten ist es, die Membran durch Angabe 
ihres Grundtons in allgemeine Bewegung zu setzen, und man hat 
deshalb in der Akustik dergleichen Membranen viel gebraucht, um 
das Vorhandensein eines bestimmten Tones an bestimmten Stellen 
des Luftraumes nachzuweisen. Am zweckmässigsten ist es zu dem 
Ende die Membran noch mit einem Luftraum zu verbinden. A, 
Fig. 15, ist eine Glasflasche, deren Mündung bei a offen ist, ihr 
Boden bei b ist weg¬ 
gesprengt, und an sei¬ 
ner Stelle eine Mem¬ 
bran (nasse Schweins¬ 
blase, die man, nach¬ 
dem sie aufgezogen und 
befestigt ist, trocknen 
lässt) aufgespannt. Bei 
C ist mit Wachs ein 
Fig. 15. 
C 
b 
Conconfädchen befestigt, welches ein Siegellacktröpfchen trägt. 
Letzteres hängt wie ein Pendel herab und legt sich gegen die Mem¬ 
bran. So wie die Membran in Schwingung geräth, macht das 
Pendelchen die heftigsten Sprünge. Die Anwendung eines solchen 
Pendelchens ist sehr bequem, wenn man keine Verwechselung des 
Grundtons der Membran mit einem anderen ihrer Eigentöne zu 
fürchten hat. Es fliegt nicht fort, wie der Sand, und der Apparat 
ist stets zu seiner Function bereit. Will man aber die Töne sicher 
unterscheiden, welche die Membran in Schwingung versetzen, so 
muss man die Flasche mit der Mündung nach unten stellen und 
Sand auf die Membran streuen. Wenn übrigens die Flasche die 
richtige Grösse hat, und die Membran überall gleichmässig gespannt 
und befestigt ist, so giebt auch nur der Grundton der Membran 
(etwas verändert durch die mitschwingende Luftmasse der Flasche) 
leicht an. Den Grundton der Membran macht man tiefer, wenn 
man die Grösse der Membran oder das Volumen der Flasche grösser 
nimmt, oder die Membran weniger spannt, oder endlich die Oeff- 
nung der Flasche verengert.
        

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