Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Lehre von den Tonempfindungen als physiologische Grundlage für die Theorie der Musik. Dritte umgearbeitete Ausgabe
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit3865/61/
Zusammensetzung der Wellen. 45 
Wenn also auch die Wasseroberfläche in jedem einzelnen Zeit- 
momente nur eine einzige Form annehmen kann, während zwei ver¬ 
schiedene Wellensysteme gleichzeitig jedes seine besondere Form 
der Wasserfläche einzuprägen suchen, so können wir doch in dem 
angeführten Sinne zwei verschiedene Wellensysteme als gleichzeitig 
bestehend und einander superponirt betrachten, indem wir die wirk¬ 
lich bestehenden Erhebungen und Vertiefungen der Fläche passend 
in je zwei Tlieile zerlegt denken, die den einzelnen Systemen ange¬ 
hören. 
In demselben Sinne findet nun auch eine Superposition ver¬ 
schiedener Schallwellensysteme in der Luft statt. Durch jeden 
Schallwellenzug wird die Dichtigkeit der Luft, die Geschwindigkeit 
und Lage der Lufttheilchen zeitweilig verändert. Es giebt Stellen 
der Schallwelle, die wir den Wellenbergen des Wassers verglichen 
haben, in denen die Luftmenge vermehrt ist, und die Luft, die nicht 
wie das Wasser einen freien Raum über sich hat, in den sie aus- 
weichen kann, sich verdichtet; andere Stellen des Luftraumes, den 
Wellenthälern vergleichbar, haben verminderte Luftmenge und da¬ 
her geringere Dichtigkeit. Wenn also auch nicht an demselben 
Orte und zu derselben Zeit zwei verschiedene Grade der Dichtig¬ 
keit, durch zwei verschiedene Wellensysteme hervorgerufen, neben¬ 
einander bestehen können, so können sich doch die Verdichtungen 
und Verdünnungen der Luft zu einander addiren, gerade wie Er¬ 
höhungen und Vertiefungen der Wasseroberfläche. Wo zwei Ver¬ 
dichtungen Zusammentreffen, erhalten wir eine stärkere Verdichtung, 
wo zwei Verdünnungen, eine stärkere Verdünnung, während Ver¬ 
dichtung und Verdünnung zusammentreffend sich gegenseitig theil- 
weise oder ganz aufheben und neutralisiren. 
Die Verschiebungen der Lufttheilchen setzen sich ebenso zu¬ 
sammen. Wenn die Verschiebung durch zwei verschiedene Wellen¬ 
systeme nicht in derselben Richtung erfolgt, so setzen sich beide 
Verschiebungen nach der Diagonale zusammen; wenn z. B. der eine 
Wellenzug dasselbe Lufttheilchen nach oben, der zweite nach rechts 
zu verschieben strebt, so wird es schräg nach rechts und oben 
gehen. Für unseren vorliegenden Zweck brauchen wir auf eine 
solche Zusammensetzung von Bewegungen verschiedener Richtung 
nicht näher einzugehen. Es interessirt uns nur die Wirkung der 
streng genommen nur dann statt, wenn die Höhen der Wellen verglichen 
mit der Wellenlänge verschwindend klein sind.
        

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