Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Lehre von den Tonempfindungen als physiologische Grundlage für die Theorie der Musik. Dritte umgearbeitete Ausgabe
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit3865/30/
14 Erste Abtheilung. Erster Abschnitt. 
Erregungsmittels, nämlich des Schalls, diesen Unterschieden der 
Empfindung entsprechen. 
Der erste und Hauptunterschied verschiedenen Schalls, den 
unser Ohr auffindet, ist der Unterschied zwischen Geräuschen 
und musikalischen Klängen. Das Sausen, Heulen und Zischen 
des Windes, das Plätschern des Wassers, das Rollen und Rasseln 
eines Wagens sind Beispiele der ersten Art, die Klänge sämmt- 
licher musikalischen Instrumente Beispiele der zweiten Art des 
Schalls. Zwar können Geräusche und Klänge in mannigfach wech¬ 
selnden Verhältnissen sich vermischen und durch Zwischenstufen 
in einander übergehen, ihre Extreme sind aber weit von einander 
getrennt. 
Um das Wesen des Unterschieds zwischen Klängen und Ge¬ 
räuschen zu ermitteln, genügt in den meisten Fällen schon eine 
aufmerksame Beobachtung des Ohres allein, ohne dass es durch 
künstliche Hilfsmittel unterstützt zu werden braucht. Es zeigt sich 
nämlich im Allgemeinen, dass im Verlaufe eines Geräusches ein 
schneller Wechsel verschiedenartiger Schallempfindungen eintritt. 
Man denke an das Rasseln eines Wagens auf Steinpflaster, das 
Plätschern und Brausen eines Wasserfalls oder der Meereswogen, 
das Rauschen der Blätter im Walde. Hier haben wir überall einen 
raschen und unregelmässigen, aber deutlich erkennbaren Wechsel 
stossweise aufblitzender verschiedenartiger Laute. Beim Heulen 
des Windes ist der Wechsel langsam, der Schall zieht sich langsam 
und allmälig in die Höhe, und sinkt dann wieder. Mehr oder 
weniger gut gelingt die Trennung verschiedenartiger unruhig 
wechselnder Laute auch bei den meisten anderen Geräuschen; 
wir werden später ein Hilfsmittel kennen lernen, die Resonatoren, 
mittels dessen diese Unterscheidung dem Ohre beträchtlich erleich¬ 
tert wird. Ein musikalischer Klang dagegen erscheint dem Ohre 
als ein Schall, der vollkommen ruhig, gleichmässig und unver¬ 
änderlich dauert, so lange er eben besteht, in ihm ist kein Wechsel 
verschiedenartiger Bestandtheile zu unterscheiden. Ihm entspricht 
also eine einfache und regelmässige Art der Empfindung, während 
in einem Geräusche viele verschiedenartige Klangempfindungen 
unregelmässig gemischt und durch einander geworfen sind. In 
der That kann man Geräusche aus musikalischen Klängen zu¬ 
sammensetzen, wenn man z. B. sämmtliche Tasten eines Claviers 
innerhalb der Breite von einer oder zwei Octaven gleichzeitig 
anschlägt. Hiernach ist es klar, dass die musikalischen Klänge
        

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