Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Lehre von den Tonempfindungen als physiologische Grundlage für die Theorie der Musik. Dritte umgearbeitete Ausgabe
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit3865/128/
112 Erste Abtheilung. Vierter Abschnitt. 
bei nicht verloren geht. Sie geben dem Klange immer etwas Helle¬ 
res und Höheres. Einfache Töne klingen dumpf. Wenn man sie 
mit gleich hohen zusammengesetzten Klängen vergleicht, ist man 
geneigt letztere in eine höhere Octave zu verlegen als erstere. Es 
ist ein Unterschied derselben Art, als wen man den Vocal U und 
dann A auf dieselbe Note singt. Uebrigeris wird eben deshalb die 
Vergleichung der Tonhöhe von Klängen verschiedener Klangfarbe 
oft recht schwer; man irrt sich nämlich leicht um eine Octave, und 
es sind den berühmtesten Musikern und Akustikern dergleichen Irr- 
thümer zugestossen. So ist bekannt, dass der als Violinist und theo¬ 
retischer Musiker berühmte Tartini die Combinationstöne alle um 
eine Octave zu hoch angegeben hat, während andererseits Henrici*) 
die Obertöne der Stimmgabeln um eine Octave zu tief angiebt. 
So ergiebt sich dann schliesslich als Resultat dieser Discussion : 
1) Dass die Obertöne, welche den einfachen Schwingungen 
einer zusammengesetzten Luftbewegung entsprechen, empfunden 
werden, wenn sie auch nicht immer zur bewussten Wahrnehmung 
kommen. 
2) Dass sie ohne andere Hilfe , als eine zweckmässige Leitung 
der Aufmerksamkeit, auch zur bewussten Wahrnehmung gebracht 
werden können. 
3) Dass sie aber auch in dem Falle, wo sie nicht isolirt wahr¬ 
genommen werden, sondern in die ganze Klangmasse verschmelzen, 
doch ihre Existenz in der Empfindung erweisen durch die Verände¬ 
rung der Klangfarbe, wobei sich namentlich auch der Eindruck ihrer 
grösseren Tonhöhe in charakteristischer Weise dadurch äussert, 
dass die Klangfarbe heller und höher erscheint. 
Genaueren Aufschluss über die Beziehungen der Obertöne zur 
Klangfarbe wird der nächste Abschnitt geben. 
*) Poggd. Ann. Bd. XCIX, S. 506. - Dieselbe Schwierigkeit erwähnt 
Zamminer als bekannt unter den Musikern. (Die Musik und die musikali¬ 
schen Instrumente, S. 111.)
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.