Bauhaus-Universität Weimar

mit dem Riesenfornrohr ausblicken will. Ferner werden gegenwärtig’ 
Studien gemacht, um den ganzen Fussboden, auf welchem der 
Beobachter steht, zugleich mit allen auf ersterem befindlichen Neben¬ 
apparaten in die betreffende Augenhöhe emporzubeben, auf welche 
das Instrument jeweilig eingestellt ist, um auf diese Art den für den 
Ungeübten recht unbequemen sogenannten „Beobachtungsstuhl" ver¬ 
meiden zu können. So wird dieser Kuppelraum mit seinem grossen 
weltdurchdringcnden Glasauge ein mechanisches Kunstwerk eindrucks¬ 
vollster und überraschendster Art werden. 
Neben diesem grössten Instrumente soll noch ein zweites von 
C Zoll Oeffuung- gleichfalls unter einer drehbaren Kuppel von 4 Metern 
Durchmesser aufgestellt werden, und auch dieses immerhin noch zu 
den Fernrohren mit bedeutender Kraft zählende Instrument wird mit 
allen Feinheiten des Mechanik, Uhrwerk, Mikrometer ausgestattet sein. 
Dann folgt in der Stufenfolge der Priicision ein gleichfalls parallaktisch 
aufgestellter und mit Uhrwerk versehener Refraktor von 4 Zoll Ooff- 
nung, ferner ein nach ganz eigenartigen, von Gauss zuerst angegebenen 
optischen Principien gebauter sogenannter „Kometensucher" von 5 Zoll 
Dehnung, endlich noch ein 6 zölliges Spiegelteleskop, ein Passagen¬ 
instrument und mehrere kleinere Fernrohre, welche letztere auch 
eventuell als Austellungsobjcktc gelten können. 
Man sieht, dass die Anstalt sich darauf vorbereitet, auch den An¬ 
forderungen der strengen Wissenschaft zu genügen, damit die reichen 
Mittel, welche hier verwendet werden, auch der letzteren direkt zu 
statten kommen können. Indirekt wird aber der Nutzen unserer hier 
flüchtig skizzirten Institutionen für die Wissenschaft unstreitig ein 
ganz wesentlicher worden müssen durch die lebendige, befruchtende 
Anregung, welche sie in jene weiten Schichten eines grossen Laien¬ 
publikums streuen werden, aus dem oft genug' grosse Männer er¬ 
wachsen sind, deren glühendes Interesse für die Naturforschung und 
deren durchdringender Erfindungsgeist ihre Keime und erste Nahrung 
keineswegs auf hohen Akademien gefunden haben. Man denke nur 
au die Herschel, Bessel, Faraday, Edison u. s. w. Wenn es neben 
der vielseitigen Freude an der Naturbetrachtung und der hohen Er¬ 
quickung, welche die Befriedigung der Wissbegierde auch in den ein¬ 
fachsten Gemiitliern erweckt, den Institutionen der Urania gelingen wird, 
im Laufe der kommenden Jahrzehnte Viele zu erwärmen und zu erfreuen 
und auch einige Samenkörner auf fruchtbaren Boden auszustreuen, 
dass sie in selbsständiger Schaffenskraft segenbringend aufkeimen, 
*0 *s* unsere schönste Aufgabe erfüllt.
        

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