Bauhaus-Universität Weimar

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Ivar Bang 
wohl zu bemerken die Enzyme bei den Verdünnungsversuchen, wie bei 
Alkaliversuchen in genau derselben Weise gereinigt wurden. Aus 
Gewins Mitteilung kann man zwar nicht ersehen, ob er dieselben 
Präparate zu Verdünnungs- und Alkaliversuchen benutzt hat — ist dies 
nicht der Fall, möchte ich es als einen Versuchsfehler bezeichnen —, da 
ich aber voraussetze, daß er jedenfalls Verdünnungsversuche mit meh¬ 
reren Präparaten angestellt hat, wäre es doch sonderbar — und gerade 
nicht für seine Auffassung günstig —• wenn kein einziges Präparat bei 
den Verdünnungs versuchen soweit gereiniget worden war, daß der Unter¬ 
schied einigermaßen aufgehoben wurde, wenn dies bei den Alkaliver¬ 
suchen ohne Schwierigkeit sich demonstrieren ließ. 
Ich weiß infolgedessen nicht, wie ich Herrn Ge win verstehen soll, 
wenn er S. 47 dem Parachymosin eine größere Empfindlichkeit gegen 
Alkali zuschreibt und S. 55 erklärt, daß beide Enzyme dieselbe Empfind¬ 
lichkeit gegenüber Alkali besitzen. 
S. 57 erklärt weiter Herr Gewin, daß das Alkali auch in neu¬ 
traler Lösung für das Enzym von Bedeutung sein kann, d. h. bei der 
Verdünnung, wo «die größere Empfindlichkeit» des Parachymosins sich 
geltend macht. Er wird keifît Vermutung über die Art und Weise, wo¬ 
durch dies eigentlich geschehen kann, äußern. «Daß aber, sobald Na- 
und OH-Ionen zu gleicher Zeit in der Lösung vorhanden sind — und 
das ist auch nach Neutralisation mit Natronlauge der Fall —, das Enzym 
Gefahr läuft, ist sicher», meint Herr Gewin. 
Beweise hierfür hat aber Herr Gewin nicht geliefert, und es ist 
wohl nicht so ganz außer jedem Zweifel, daß bei der Verdünnung das 
Parachymosin die Gefahr läuft, welche Herr Gewin befürchtet. 
Ich habe nämlich konstatiert, daß verdünnte Parachymosin - 
lösungen, welche nicht mehr Milch koagulieren, trotzdem nicht zerstört 
sind, indem man sogar eine kräftige Labwirkung hervorrufen kann 
und zwar durch Zusatz von CaCl2. Ich erlaube mir eine Beobachtung 
aus meiner Parachymosinarbeitl) anzuführen. S. 437 wird angeführt, daß 
ein neutralisiertes Extrakt aus Schweinemagen nach 40 maliger Verdün¬ 
nung Milch in mehreren Stunden nicht koagulierte. Die Lösung wurde 
mit CaCl2 bis 0,2 °/o (für Milchfermentlösung 0,02 °/o) versetzt und koagu¬ 
lierte jetzt Milch in 2 Minuten. — Auch sämtliche übrigen Versuche mit 
CaCl2 können hierzu als Belege gelten. 
Der Versuch beweist also, daß das Parachymosin durch die Ver¬ 
dünnung nicht zerstört wird. Diese Tatsache deutet aber Herr Gewin 
S. 49 gerade umgekehrt, indem er den Unterschied zwischen Chymosin 
und Parachymosin gegenüber CaCl2 «der größeren Empfindlichkeit des 
Parachymosins gegen neutrale Reaktion» (d. i. Alkali) zuschreibt. Das 
') a. a. 0.
        

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