Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit3858/94/
§• 10. 
DICKE DER KRYSTALLINSE IN LEBENDEN AUGEN. 
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men, indem man die Glasplatte cc, ähnlich wie sie hier zwischen dem Spalt und der Krystal- 
linse angebracht istf zwischen diesen und eine kleine Glaslinse von bekannter Brennweite und 
bekannter Lage der Knotenpunkte bringt. In ähnlicher Weise kann auch die Grösse b ermittelt 
werden. Dieselben Gleichungen, welche wir für die Ermittelung von x und f aufgestellt haben, 
können bei bekanntem x und f auch dienen, b oder — zu ermitteln. 
nc 
Die Krümmungshalbmesser für die Scheitel der Linse können entweder, wie oben ange¬ 
geben ist, durch Spiegelung ermittelt werden, oder auch durch Brechung. Zu dem Ende lässt 
man die Linse in ihrem Messinggehäuse liegen, und entfernt nur den Theil der Glasfeuchtigkeit, 
welcher ihre obere Fläche bedeckt, und stellt nun entweder den Ausschnitt zwischen den 
GRAVESAND’schen Schneiden vor dem Prisma f, etwas seitlich von der Gesichtslinie des Oph¬ 
thalmometers auf, und misst die Grösse seines Spiegelbildes, oder man lässt den Messingschirm 
mit den Schneiden auf dem Objecttische des Mikroskops liegen, und misst das dioptrische 
Bild, welches jetzt entworfen wird. Wie die Messung des Spiegelbildchens zur Rechnung 
Zu benutzen ist, ist schon oben angegeben. Für die dioptrische Messung mögen bt, ß, und f 
die bisherige Bedeutung behalten, ß3 die Grösse des Bildes bezeichnen, nachdem man die 
gläserne Feuchtigkeit von der oberen Fläche der Linse entfernt hat, und y der Abstand des 
oberen Knotenpunktes von der oberen Fläche sein. (Dieser Abstand bezieht sich immer auf 
den Fall, wo die Linse in Glasfeuchtigkeit liegt.) Endlich sei R der Krümmungsradius im 
Scheitel der oberen Fläche. Dann kann R aus der Gleichung gefunden werden : 
n (gi — ß3) 
(»—1) ß3 
Ich habe für den eigenthümlichen Bau der Linse erwiesen, dass ihre Brennweite kürzer 
sei, als wenn sie ganz und gar die Dichtigkeit und das Brechungsvermögen ihres Kerns hätte. 
Wollte man also eine homogene Linse von gleicher Gestalt und Grösse und gleicher Brenn¬ 
weite, wie der Krystallkörper ist, hersteilen, so würde man dieser ein noch höheres Brechungs¬ 
vermögen geben müssen, als selbst sein Kern hat. Dieses Brechungsvermögen einer imaginären 
gleichgestalteten und gleichwerthigen homogenen Linse hat Senff das totale Brechungs¬ 
vermögen genannt. Es ist wohl zu unterscheiden von dem mittleren Brechungsvermögen, 
welches dem arithmetischen Mittel sämmtlicher Schichten entspricht. Das totale ist im Gegen- 
theile höher als das höchste Brechungsvermögen der dichtesten Theile der Linse. Ich gebe 
hier zunächst eine Zusammenstellung der von mir für menschliche Linsen gefundenen Werthe, 
die Lineardimensionen in Millimetern. Brennweite und Hauptpunkte beziehen sich auf den 
Fall, wo die Linse von Glasfeuchtigkeit umgeben ist.^Die Krümmungshalbmesser sind durch 
Spiegelung bestimmt. 
1) Brennweite.......................... 45,144 47,435 
2) Abstand des ersten Hauptpunktes von der vorderen Fläche 2,258 2,810 
3) Abstand des zweiten Hauptpunktes von der hinteren Fläche 1,546 1,499 
4) Dicke der Linse....................... 4,2 4,314 
5) Krümmungshalbmesser im Scheitel der vorderen Fläche. . 10,162 8,865 
6) Krümmungshalbmesser im Scheitel der hinteren Fläche . . 5,860 5,889 
7) Totales Brechungsvermögen................. 1,4519 1,4414. 
Ob aber Form und Brennweite todter Linsen denen des lebenden fernsehenden Auges 
gleich sind, ist mir durch Messungen, die ich an lebenden Augen ausgeführt habe, zweifelhaft 
geworden. Ich habe nämlich die Dicke der Linse an drei lebenden Personen zum Theil um 
mehr als ]/2 Mm. kleiner gefunden, als die kleinsten Werthe der Dicke sind, die man an 
todten Linsen findet '. Wie man die Entfernung der Pupille von der vorderen Hornhautfläche 
findet, ist in §. 3 beschrieben. Dicht am Pupillarrande der Iris befindet sich auch die vordere 
Linsenfläche. Um die Dicke der Linse zu bestimmen, muss man also noch die Entfernung 
der hinteren Linsenfläche von der Hornhaut zu ermitteln suchen. 
1 v. Graefe’s Archiv für Ophthalmologie. Bd. I. Abth. 2. S. 56. 
Kncvklop. d. Physik. IX. Helmholtz, Physiol. Optik. 
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