Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit3858/723/
710 DRITTER ABSCHNITT. DIE LEHRE VON DEN GESICHTSWAHRNEHMÜNGEN. §. 31, 
linie stehen soll, und denke sich durch die Horizontallinien der Figuren und 
durch, die Knotenpunkte der Augen Ebenen gelegt, Diejenigen Ebenen, -welche 
durch die mittlere Horizontallinie gehen, auf der der Fixationspunkt liegt, fallen 
unter diesen Umständen mit den Netzhauthorizonten, beider Augen zusammen. 
Die anderen Ebenen schneiden sich unter einander und den Netzhauthorizont in 
einer zur Gesichtslinie normalen Horizontallinie, die wir die Aequatorialaxe 
des Netzhauthorizontes nennen wollen. Den Winkel zwischen einer der beschrie¬ 
benen Ebenen und dem Netzhauthorizonte nennen wir den Höhenwinkel der 
betreffenden Ebene. Für alle Punkte einer solchen Ebene' ist die scheinbare 
Höhe über der Yisirebene gleich, wenn wir sie auf ein unendlich entferntes 
Gesichtsfeld projicirt denken; dem entsprechend nennen wir sie eine Ebene 
gleichen Höhenwinkels. 
Ebenso denken wir uns Ebenen construirt durch jede der verticalen Linien 
der Figuren und den Knotenpunkt des betreffenden Auges. Die mittlere derselben, 
welche den Fixatiönspunkt enthält, ist die Ebene des scheinbar verticalen Me¬ 
ridians und wird von sämmtlichen anderen Ebenen dieser Art in einer zur 
Gesichtslinie normalen Linie geschnitten, welche wir die Aequatorialaxe 
des scheinbar verticalen Meridians nennen. Den Winkel zwischen 
einer solchen Ebene und der Ebene des scheinbar verticalen Meridians nennen 
wir Breiten Winkel, und zählen diesen in beiden Augen als positiv nach 
rechts hin, negativ nach links. Die Ebenen, welche den Breitenwinkel ein- 
schliessen, selbst nennen wir Ebenen gleichen Breitenwinkels. 
Nach Feststellung dieser Begriffe lässt sich die Lage identischer Punkte 
in beiden Sehfeldern leicht finden. Man denke sich durch den betreffenden 
Punkt des Gesichtsfeldes und die Aequatorialaxen sowohl des Netzhauthorizonts 
als auch des scheinbar verticalen Meridians Ebenen gelegt, durch welche der 
Höhenwinkel und der Breitenwinkel für den betreffenden Punkt des Gesichts¬ 
feldes gegeben wird. Identisch sind solche Punkte beider Gesichts¬ 
felder, welche gleiche Höh en w ink el und gl eiche Breiten Winkel haben. 
Diese Definition Identischer Punkte stützt sich auf einen direct auszufuhren- 
den Versuch. Denkt man sich die beiden Figuren, welche die Eintheilung des 
Gesichtsfeldes darstellen, zu unendlichen Ebenen erweitert, so erhält man die 
Abtheilungen der identischen Punkte bis zu 90° auf jeder Seite der Gesichts¬ 
linie. Dies genügt auch vollkommen für diesen Zweck, denn wenn auch das 
Gesichtsfeld jedes einzelnen Auges nach aussen etwas weiter als 90° reicht, 
so ist das binoculare Gesichtsfeld doch viel kleiner, weil der Nasenrücken dem 
andern Auge diese äussersten Theile des Feldes verdeckt. Uebrigens ist eine 
genaue Bestimmung der identischen Punkte durch den Versuch auch nur möglich 
für diejenigen Stellen beider Sehfelder, die dem Fixationspunkt ziemlich nahe 
liegen, denn in grösserer Entfernung wird die Entscheidung darüber, welche 
indirect gesehene Gegenstände beider Gesichtsfelder sich decken, welche nicht, 
so ausserordentlich unbestimmt, dass nur ganz erhebliche Differenzen der Doppel¬ 
bilder überhaupt wahrgenommen werden können. 
Es ist noch zq bemerken, dass nicht auf allen correspondirenden Meridianen 
der Sehfelder die Deckpunkte gleichweit vom Blickpunkte entfernt sind, wie
        

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