Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit3858/551/
DRITTER ABSCHNITT. DIE LEHRE VON DEN GESICHTSWAHRNEHMUNGEN, 
538 
§■ 28. 
Ort im Blickfelde, an welchen wir das gesehene Object nach der Schätzung 
vermittels des Augenmaasses verlegen. 
Vom Blickfelde, das sich auf den bewegten Blick bezieht, unterscheiden 
wir das Sehfeld des Auges,.welches wir uns mit dem Auge zugleich beweglich 
denken, so dass jeder Punkt des Sehfeldes immer auf demselben bestimmten Punkte 
der Netzhaut abgebildet wird. Dass durch veränderte Accommodation des Auges 
letzterer Punkt nicht wesentlich geändert werden kann, wird am Schluss dieses 
Paragraphen gezeigt werden. Das Sehfeld ist also gleichsam die nach aussen 
projicirle Netzhaut mit ihren Bildern und ihren sonstigen Eigentümlichkeiten. 
Nachbilder, der Gefässbaum, der blinde Fleck, der gelbe Fleck projiciren sich 
also immer in die gleichen Orte des Sehfeldes. Jeder Punkt des Sehfeldes ist 
deshalb bezeichnet in der Empfindung durch diejenigen Localzeichen derselben, 
welche den Empfindungen der entsprechenden Netzhautstelle angehören, und es 
ist schon früher hervorgehoben worden, dass wir die locale Bestimmtheit der 
Empfindung irgend einer Sehnervenfaser sowohl in unseren eigenen Vor¬ 
stellungen, als auch in der Mittheilung für andere gar nicht anders bezeichnen 
und ausprechen können, als indem wir die Stelle des Sehfeldes bezeichnen, 
der sie angehört. 
Das Sehfeld selbst kann aber mit dem Blickpunkte seine Lage gegen das 
Blickfeld ändern. Um bestimmte Richtungen im Sehfeld festzusetzen, gehen wir 
von der Primärlage des Augapfels aus. In dieser Lage schneidet die horizon¬ 
tale Meridianebene des Blickfeldes das Sehfeld in einer Linie, die ich den 
horizontalen Meridian des Sehfeldes oder kürzer den Netzhauthorizont 
nennen werde. Die Meridianebenen des Sehfeldes sind durch die Haupt visirlinie 
zu legen, das heisst, durch die Virsirlinie, welche nach dem Blickpunkte hin¬ 
läuft, und die wir ' wohl als mit der Blicklinie, das heisst dem Strahl, der 
vom Blickpunkt nach dem Drehpunkt des Auges läuft, zusammenfallend denken 
können, da auch der Mittelpunkt der Pupille (siehe S. 18) wie die Gesichtslinie 
etwas nach der Nasenseite des Auges abweicht. Der Ort eines jeden gesehenen 
Objects im Sehfelde wird bestimmt durch die Visirlinie, welche durch den be¬ 
treffenden Objectpunkt gezogen und bis zur Fläche des Sehfeldes verlängert ist. 
Für die wissenschaftliche geometrische Ausmessung des Sehfeldes ist es 
am vortheilhaftesten, auch dieses als eine mit dem Blickfelde concentrische 
Kugelschale zu betrachten. Dass die scheinbare Lage der Punkte im Sehfelde 
der geometrischen Construction nicht entspricht, werden wir nachher freilich 
erfahren. Wir müssen demnach auch im Sehfelde einen geometrischen und 
einen scheinbaren Ort der Punkte unterscheiden, welcher letztere nach dem 
Augenmaasse bestimmt wird. 
Wenn sich das Auge bewegt, verschiebt sich die Kugelfläche des Sehfeldes 
gegen die des Blickfeldes. Gegeben ist die Lage des Sehfeldes mittels der im 
vorigen Paragraphen entwickelten Gesetze der Augenbewegungen, sobald die 
Lage des Blickpunktes, der im Sehfelde eine unveränderliche Stellung hat, im 
Blickfelde gegeben ist. Denkt man sich die Primärstellung des Blickpunkts und 
die zeitige Lage desselben durch einen grössten Kreis verbunden, so muss, so 
weit die Augenbewegungen nach Listing’s Gesetze erfolgen, der
        

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