Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der physiologischen Optik
Person:
Helmholtz, Hermann von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit3858/228/
KLEINSTE WAHRNEHMBARE BILDER. 
215 
§• 
Nervenreizung besteht, ob eine Vibration 'hervorgerufen wird, wie Newton \ 
Melloni 2 6, Seebeck 3 und andere Physiker voraussetzten, ob eine Unilagerung 
der Molecüle in der Weise, wie sie die elektromotorischen Molecüle der 
Muskeln und Nerven nach E. du Bois Reymond erleiden, ob eine Erwärmung 
nach Draper’s 4 Ansicht, oder ob diese lichtempfindliche Schicht der Netzhaut 
etwa ein photochemischer Apparat ist, entsprechend Moser’s 5 Annahme. Erst 
secundär ist die Folge dieser Veränderungen Reizung derjenigen Nervenfasern, 
welche mit den Zapfen, auf die das Licht gewirkt hat, Zusammenhängen. 
Mit der Grösse der vom Lichte direct afficirten Netzhautelemente hängt 
auch der Grad der Genauigkeit zusammen, den das Sehen erreichen kann. Das 
Licht, was auf ein einziges empfindendes Element fällt, kann nur eine einzige 
Lichtempfindung hervorbringen, in der nicht mehr unterschieden wird, ob einzelne 
Theile des Elements stark, andere schwach erleuchtet sind. Es können lichte 
Punkte wahrgenommen werden, deren Netzhautbild sehr viel kleiner ist, als 
ein empfindendes Netzhautelement, vorausgesetzt, dass die Lichtmenge, die von 
ihnen in das Auge fällt, gross genug ist, ein Netzhautelement merklich zu affi- 
ciren. So > werden z. B. die Fixsterne, als Objecte von grosser Lichtstärke, 
trotz ihrer verschwindend kleinen scheinbaren Grösse, vom Auge wahrgenommen. 
Ebenso können auch dunkle Objecte auf hellem Grunde wahrgenommen werden, 
obgleich ihre Bilder kleiner sind, als ein empfindendes Nervenelement, voraus¬ 
gesetzt nur, dass die Lichtmenge, welche auf das Element fällt, durch das dahin 
treffende dunkle Bild um einen wahrnehmbaren Theil verringert wird. Kann 
das Auge z. B. bei der angewendeten Beleuchtungsstärke Unterschiede der Licht¬ 
intensität von yso erkennen, so würde ein dunkles Bildchen, dessen Flächen¬ 
inhalt y50 von dem eines empfindenden Elements ist, noch wahrgenommen 
werden können. Dagegen ist es klar, dass zwei helle Punkte nur dann als 
zwei erkannt werden können, wenn der Abstand ihrer Bilder grösser ist, als 
die Breite eines Netzhautelements. Wäre er kleiner, so würden beide Bilder 
immer auf dasselbe oder auf zwei benachbarte Elemente fallen müssen. Im 
ersteren Falle würden beide nur eine einzige Empfindung erregen, im zweiten 
Falle zwar zwei Empfindungen, aber in benachbarten Nervenelementen, wobei 
nicht unterschieden werden könnte, ob zwei gesonderte Lichtpunkte, oder einer 
da ist, dessen Bild auf die Grenze beider Elemente fällt. Erst wenn der Ab¬ 
stand der beiden hellen Bilder, oder wenigstens ihrer Mitte von einander grösser 
ist, als die Breite eines empfindenden Elements, erst dann können die beiden 
Bilder auf zwei verschiedene Elemente fallen, die sich gegenseitig nicht be¬ 
rühren, und zwischen denen ein Element zurückbleibt, welches nicht oder 
wenigstens schwächer als die beiden ersten von Licht getroffen wird. 
Nach den Angaben von Hooke 6 erscheinen zwei Sterne, deren scheinbare 
Entfernung weniger als 30 Secunden beträgt, stets wie ein Stern, und von 
1 Optice. Lib. III. Quaestio XVI. 
2 Pogg. Ann. LVI. öT'i. 
3 Ebenda. LXII. 571. 
4 Human Physiology, p. 392. ' 
5 Pogg. Ann. LVI. \T\. # 
6 Smith’s Optik, übers. v. Kaestner. S. 20.
        

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