Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kadmus oder Allgemeine Alphabetik vom physikalischen, physiologischen und graphischen Standpunkt
Person:
Du Bois-Reymond, F. H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38576/90/
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Akustik. 
als die Luftsäulen, in deren Schwingungen der Ton besteht. 
Dies ist nicht der Fall in dem Gebiete der nicht zu den 
menschlichen Athmungswerkzeugen gehörigen Töne, bei welchen, 
wie gesagt, die Tonschwingungen mit den Klangschwingun¬ 
gen in der Art harmoniren, dass letztere immer kleiner wer¬ 
den, je nachdem die Tonschwingungen zahlreicher,- also auch 
kleiner werden, und umgekehrt. So wäre denn endlich das bis 
jetzt so dunkel gebliebene akustische Problem des Klanges phy¬ 
sisch und physiologisch, wie mir scheint, genügend gelöst. 
Meine Theorie des Klanges lässt sich kurz in folgenden 
Worten zusammenfassen: Alle Schälle haben Klang und Ton. 
In den einfachen Schallherden der Natur sind immer tiefe Klänge 
mit tiefen Tönen, und hohe Klänge mit hohen Tönen verbunden. 
Im Sprachorgan ist aber der Schallherd nicht, wie in der Natur, 
als einfach zu betrachten. Er ist doppelt. Der Schall entsteht 
mit dem Ton im Kehlkopf, erst in der Mundhöhle wird ihm der 
hörbare Klang ertheilt. Dies geschieht aber nach Belieben in 
der Art, dass, den Naturschällen entgegengesetzt, tiefe Klänge 
mit hohen Tönen, und hohe Klänge mit tiefen Tönen gepaart 
werden können, was jedoch im Gesang nicht so bequem ist, als 
wenn tiefe Klänge mit tiefen Tönen und hohe Klänge mit hohen 
Tönen Zusammentreffen. Diese Thatsachen liefern den Beweis, 
dass tiefe Klänge durch grössere Schwingungsweiten, höhere da¬ 
gegen durch engere bedingt werden. Denn offenbar erfolgen sie 
schmäler in den hohen Tönen und breiter in den tiefen. 
Umgebung der Schallherde. Eingeschlossene Räume, in 
welchen der Schall entsteht oder aufgefangen wird, üben einen 
entschiedenen Einfluss auf den Klang aus; so gewisse wieder¬ 
hallende Hallen, die langen schmalen Gänge (Corridore) in den 
Gebäuden, die Felsenhöhlen, Gewölbe, Tunnel, eine leere Tonne, 
eine Flasche, die man füllt u. s. w. Die Schwingungsweite der 
Lufttheilchen wird in solchen Räumen durch ihre verschiedenen 
Wände, wie in der Mundhöhle durch die ihrigen, manniclifach 
verändert. Sie kreuzt sich mit der Schwingungsweite anderer, 
was nicht blos bei den grossen und kleinen Wasserwellen, son¬ 
dern auch selbst bei den Tönen geschieht, wie man z. B. bei 
der sich füllenden Flasche verschiedene gleichzeitig hervorge¬ 
brachte Töne ganz deutlich unterscheidet: eine Fähigkeit der 
Luftschwingungen, welche besonders in den Fugen grosser musi-
        

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