Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kadmus oder Allgemeine Alphabetik vom physikalischen, physiologischen und graphischen Standpunkt
Person:
Du Bois-Reymond, F. H.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38576/87/
Klang, 
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den menschlichen Sprachorganen recht wahrnehmbar vorkommt. 
Die menschlichen Sprachorgane sind aber dreifach. Wie bei 
der Beleuchtung des Sprachmechanismus ausführlicher dargethan 
werden soll, bestehen sie erstens aus der Mundhöhle (cavitas 
ons), welche allein die verschiedenen Sprachlaute hervor¬ 
bringt; zweitens aus der Nasenhöhle (cavitas nasalis), welche 
den Sprachlauten blos den Metallklang verleiht, und drittens aus 
dem Kehlkopf (.Larynx) in welchem, ebenfalls allein, die Stimme 
entsteht. Diese drei Organe sind durch die Kehlhöhle (Pharynx 
— Rachen ist ein hässliches Wort!) ziemlich weit von einan¬ 
der getrennt, so dass die Thätigkeit des einen nicht nothwendig 
an die Thätigkeit des anderen gebunden ist. 
Der Klang wird durch die verschiedenen Stellungen der 
Mundhöhle und der Nasenhöhle bestimmt, dahingegen der Ton 
dem Kehlkopf und eigentlich der in demselben enthaltenen Stimm¬ 
ritze (Rima glotticlis) seine Entstehung verdankt. Indem aber 
die Stimme durch die Mundhöhle allein, oder gleichzeitig durch 
die Nasenhöhle zur freien Luft gelangt, so lässt sich leicht be¬ 
greifen, dass eben diese Höhlen ihr bei dem Durchströmen einen 
von dem Ton unabhängigen, ja sogar einen ihm entgegengesetz¬ 
ten Klang zu geben vermögen. 
Obwohl die Kehl höhle selbst nicht ohne Einfluss auf den 
reinen Klang der Stimme bleiben kann, so kommt ihre eigene 
Thätigkeit hier deshalb doch nicht in Betracht, weil diese Thä¬ 
tigkeit immer von den drei anderen Höhlen abhängt, und sich 
für das Gehör durch keine besonderen Merkmale kund giebt. 
Die Kehlhöhle kann dafür in Bezug auf die Stimme als Eins 
mit dem Larynx angesehen werden. Sie erfordert mithin hier 
keine weitere Berücksichtigung. 
Unvernehmbarkeit der reinen Stimme. Die reine Stimme, 
wie sie in dem lebendigen Kehlkopf gebildet wird, hören wir 
nie. Könnte man sie unmittelbar vernehmen, wie sie aus dem 
Kehlkopf entfliesst, oder auch wie sie zuerst in die Kehlhöhle 
gelangt, so würden wir in derselben immer, wie bei den anderen 
musikalischen oder natürlichen Schallerscheinungen, die hohen 
Klänge in Verbindung mit den hohen Tönen, und die tiefen 
Klänge mit den tiefen Tönen gleichen Schritt haltend, wieder¬ 
finden. Bei unveränderten Tönen wären Veränderungen des 
Klanges nicht möglich. 
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